Chinesische Staatsbank : ICBC-Börsenstart enttäuscht

Der größte Börsengang der Geschichte ist hinter den hochfliegenden Erwartungen vieler Anleger zurückgeblieben: Der Aktienkurs der größten chinesischen Staatsbank Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) stieg zwar kräftig an, blieb aber zum Teil deutlich unter den vorausgesagten Gewinnen.

Hongkong/Schanghai - In Hongkong beendeten die ICBC-Papiere ihren ersten Handelstag mit einem kräftigen Aufschlag von 14,7 Prozent oberhalb des Ausgabekurses. In Schanghai dagegen verzeichnete das Papier ein Plus von relativ moderaten 5,1 Prozent. Branchenanalysten hatten für beide Börsen Gewinne von bis zu 20 Prozent erwartet.

Obwohl der Staat auch nach der Platzierung direkt und indirekt über eine staatliche Vermögensverwaltung bei ICBC mit gut 72 Prozent das Sagen behält, brach der dritte Börsengang einer chinesischen Bank alle Rekorde. Mit rund 22 Milliarden Dollar (rund 17,5 Milliarden Euro) übertrumpfte der Erlös der Plazierung den bisherigen Emissionsrekord, der beim Börsengang des japanischen Handykonzerns NTT DoCoMo mit etwas mehr als 18 Milliarden Dollar im Jahr 1988 aufgestellt wurde. Vor allem in Hongkong war die Nachfrage nach ICBC-Anteilen so groß, dass sie vor dem Börsenstart das Angebot um den Faktor 76 übertraf.

Auftakt "insgesamt schwach"

Doch in Schanghai war der Auftakt "insgesamt schwach", sagte Analyst Zhangh Qi von der Schanghaier Maklerfirma Haitong. Sein Kollege Shen Jun vom Wertpapierhaus Guosen erklärte die Entwicklung damit, dass chinesische Investoren vorsichtig gewesen seien. In Hongkong wie auch an den anderen Weltbörsen würden sich Anleger derzeit zwar auf alles, was aus China komme, regelrecht stürzen. Chinesische Investoren dagegen seien weniger optimistisch, eben weil ICBC eine Staatsbank sei und kein ausländisches Institut.

Dabei hatte die Regierung alles unternommen, um den Anlegern den nach der China Construction Bank und der Bank of China dritten Börsengang eines staatlichen Geldinstituts schmackhaft zu machen. So wurden rechtzeitig vor dem Angebot der ICBC-Aktien "faule Kredite" über zusammen 85 Milliarden Dollar ausgebucht und auf externe Gesellschaften übertragen. Dadurch sank der Anteil dieser Darlehen, auf deren Rückzahlung die Bank nicht hoffen kann, von 21 Prozent im Jahr 2004 auf heute nur noch 4,1 Prozent. Branchenexperten warnen jedoch weiter vor Unsicherheiten, die insgesamt den chinesischen Bankenmarkt belasten. So hatte auch Zentralbankgouverneur Wu Xiaoling erst vor kurzem gesagt, das Problem der faulen Kredite bleibe eine enorme und schwierige Herausforderung der Branche.

ICBC-Chef: Ein großer Erfolg

ICBC-Chef Yang Kaisheng zeigte sich ungeachtet aller Unkenrufe und der relativ schwachen Performance in Schanghai mit dem ersten Handelstag zufrieden. Der Börsengang sei einer großer Erfolg bei der Öffnung der chinesischen Branche für ausländisches Kapital und die Reformen des Bankensektors. ICBC ist mit Vermögenswerten von etwa 800 Milliarden Dollar der Branchenprimus des Landes. Das Geschäft stützt sich auf fast 19.000 Filialen im Land, in dem rund 150 Millionen Kunden betreut werden. Mehr als 15 Prozent aller in China aufgenommenen Kredite wurden an den Schaltern der Bank unterzeichnet. Auf Basis chinesischer Bilanzierungsregeln rechnet die Bank für das laufende Jahr mit einem Nettogewinn von umgerechnet mindestens 4,6 Milliarden Euro. (tso/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar