Chip-Hersteller : Milliardenverlust für Infineon

Der Chipkonzern Infineon schlittert immer tiefer in die Krise. Der Chef musste am Mittwoch einen tiefroten Konzernfehlbetrag verkünden und auch die Prognose sei alles andere als berauschend, räumte Peter Bauer ein.

Infineon
Der Chiphersteller Infineon erlebt unruhige Zeiten. -Foto: ddp

MünchenVor allem wegen des Preisverfalls am Chipmarkt sowie hoher Verluste und Abschreibungen bei der Speicherchip-Tochter Qimonda schloss der Münchner Konzern das Geschäftsjahr 2007/2008 mit einem Verlust von 3,12 Milliarden Euro ab. Damit machte der Fehlbetrag drei Viertel der gesamten Umsätze aus. Die Erlöse lagen sechs Prozent im Plus bei 4,32 Milliarden Euro. Auch für das kommende Jahr sieht es kaum besser aus. So soll der Umsatz wegen der anhaltenden Marktschwäche um 15 Prozent sinken. Außerdem sei erneut mit einem Verlust zu rechnen. "Zu einem tiefroten Konzernfehlbetrag kommt ein nicht sehr berauschender Ausblick", sagte Infineon-Chef Peter Bauer. Infineon will daher die Produktion deutlich zurückfahren und plant Kurzarbeit in zwei Werken.

"Wir sind angesichts der Aussichten für die kommenden Quartale beunruhigt", räumte Bauer ein. "Die Auswirkungen der Finanzkrise und der Konjunkturabschwächung haben den weltweiten Halbleitermarkt bereits erreicht." Das Unternehmen erwartet angesichts der Absatzkrise in der Autoindustrie nicht nur Einbrüche bei der Autoelektronik, sondern warnt auch vor erheblichem Schaden durch eine mögliche Insolvenz der Speicherchip-Tochter Qimonda. Selbst von der Ausweitung des Sparprogramms verspricht sich der Konzern letztlich keine Besserung. Der Aktienkurs von Infineon brach am Morgen um mehr als ein Viertel auf 1,235 Euro ein.

Infineon will Qimondo schnellstmöglich loswerden

Auch von Qimonda droht weiteres Unheil. Als Beispiele führte Vorstandschef Bauer Kartell- und wertpapierrechtliche Verfahren, die eventuelle Rückzahlung öffentlicher Fördermittel und Forderungen von Mitarbeitern an. Weitere Abschreibungen auf den Unternehmenswert drohen jedoch nicht. Der Wert des von der Insolvenz bedrohten Unternehmens, an dem Infineon noch 77,5 Prozent hält, sei in den Büchern mittlerweile auf Null zurückgefahren worden, sagte Finanzchef Marco Schröter. Infineon will den Anteil an Qimonda so schnell wie möglich loswerden und verhandelt derzeit mit möglichen Käufern. Die Verhandlungen liefen nach wie vor, wenngleich die Finanzkrise auch potenziellen Käufern zu schaffen mache. "Im Prinzip bin ich eigentlich optimistisch."

Die Pläne, die Aktien notfalls als Sachdividende an die Aktionäre zu verschenken, seien aber aufgegeben worden, sagte Bauer. "Angesichts des aktuellen Kursniveaus der Qimonda-Aktie ist Infineon der Ansicht, dass die Zuteilung der Qimonda-Aktien an Infineon- Aktionäre in Form einer Sachdividende keine sinnvolle Maßnahme mehr ist."

Zehn Prozent der Stellen werden abgebaut

Um die drohende harte Zeit zu überstehen, will Infineon sein Sparprogramm über die bereits angekündigten 200 Millionen Euro bis Ende des Geschäftsjahres 2009 auf 250 Millionen Euro ausweiten. Der geplante Abbau von zehn Prozent der weltweit 30.000 Stellen sei weitestgehend in trockenen Tüchern. Mit drei Vierteln der betroffenen Mitarbeiter sei eine Vereinbarung geschlossen worden, sagte Vorstand Hermann Eul.

Weitere Stellenstreichungen seien derzeit nicht geplant. Um der sinkenden Nachfrage in den kommenden Monaten begegnen zu können, will Infineon Produktionsanlagen aber zeitweise stilllegen und die Produktion drastisch zurückfahren. Dafür greife das Unternehmen auch zu Schritten wie Kurzarbeit und verlängerten Betriebsferien. So sei beispielsweise in den Werken Dresden und Regensburg von 1. Januar 2009 an Kurzarbeit geplant. Der Antrag gelte für ein halbes Jahr. Infineon war jüngst aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten, um der ausgehandelten Lohnerhöhung in der Metall- und Elektroindustrie von stufenweise 4,2 Prozent zu entgehen. Die Mitarbeiter haben stattdessen eine Nullrunde verordnet bekommen. (imo/dpa)

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