Wirtschaft : Chip-Preise belasten Infineon

Halbleiter-Konzern kann Preisverfall nicht mit höherer Produktivität ausgleichen

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Berlin (mot). Der HalbleiterHersteller Infineon hofft auf eine leichte Nachfragebelebung in den kommenden Monaten. Erste Anzeichen dafür habe man schon im Ende März abgelaufenen zweiten Geschäftsquartal registriert, teilte der sechstgrößte Chiphersteller der Welt am Dienstag mit. „Wir erwarten eine Fortsetzung dieser positiven Entwicklung in allen Zielmärkten.“ Entwarnung konnte Infineon-Chef Ulrich Schumacher allerdings nicht geben: Die nach wie vor unsichere weltweite Wirtschaftslage mache Prognosen schwierig. Wegen des anhaltenden Preisverfalls bei Speicherchips musste der Konzern zuletzt einen deutlich höheren Verlust verkraften. Die Aktie erholte sich nach kräftigen Verlusten wieder und schloss bei 7,53 Euro mit Plusminus Null.

Wie schon bei den Konkurrenten Samsung und Intel sind in der Infineon-Zwischenbilanz die Spuren des Abschwungs noch deutlich sichtbar. So stieg der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 31 Millionen Euro im Vorquartal auf 223 Millionen Euro. Marktführer Intel hatte erst vor wenigen Tagen gewarnt, es sei noch zu früh, um von einer Erholung der von der schwersten Krise in ihrer Geschichte getroffenen Halbleiter-Branche zu sprechen. Zu schaffen macht den großen Herstellern, dass die Computer- und Telekommunikationsindustrie ihre Investitionspläne reduziert hat und weniger Speicherchips (DRAM) nachfragt. Hinzu kommt der ruinöse Preiswettbewerb, der von staatlich subventionierten Anbietern wie dem hoch verschuldeten koreanischen Hynix-Konzern betrieben wird.

Hier könnte demnächst allerdings eine Gegenbewegung für Erleichterung sorgen: Mehrere Anbieter von Speicherchips – Unternehmenskreisen zufolge auch Infineon – haben in den vergangenen Tagen ihre Preise für Speicherchips erhöht oder planen dies zumindest. Zudem steigen die Chancen, dass nach den USA auch in Europa Dumping-Produkte aus Asien in Zukunft mit Strafzöllen belegt werden.

Sondereffekte trüben Quartalsbilanz

Vorerst ist Infineon aber mit sich selbst beschäftigt: „Wir haben beträchtliche Produktivitätssteigerungen erzielt, die jedoch den dramatischen Preisrückgang bei Speicherprodukten nicht ausgleichen konnten“, räumte Ulrich Schumacher ein. Unter dem Strich verbuchte der Konzern im zweiten Quartal einen Verlust von 328 Millionen Euro nach 40 Millionen Euro im Vorquartal. Der Konzernumsatz lag bei 1,48 Milliarden Euro. Bereinigt um zum 31. März wirksame Effekte aus der Übertragung der Optoelektronik an Osram entspreche dies einem Anstieg von drei Prozent zum Vorquartal.

Im ausgewiesenen Nettoverlust seien Sondereffekte wie Wertberichtigungen auf latente Steuern, Lizenzeinnahmen und Abschreibungen von Lagerbeständen von insgesamt 157 Millionen Euro eingerechnet, erklärte Infineon. Analysten werteten dies als Indiz dafür, dass die vorgelegte Zwischenbilanz eigentlich positiver ausfällt, als die Zahlen nahe legen. „Wenn man die Einmaleffekte herausrechnet, sind die Zahlen sogar besser, als wir erwartet haben“, sagte Uche Orji, Analyst bei JP Morgan. „Ich glaube, niemand hat großartige Zahlen von Infineon erwartet.“

Dass der Konzern weiter sparen und möglicherweise auch zusätzliche Stellen streichen muss, wollte Infineon-Chef Schumacher nicht ausschließen. Seinen vorsichtigen Optimismus machte er vor allem an den durch die Krise der Telekommunikationsindustrie getroffenen Sparten Festnetzkommunikation und „Sichere Mobile Lösungen“ fest, die ihre Verluste zum Vorquartal leicht verringern konnten. Der Bereich Automobil- und Industrieelektronik verbesserte bei einem Rekordumsatz das Ebit um fünf Millionen Euro auf 49 Millionen Euro.

Der Halbleiter-Produzent legte am Dienstag auch Halbjahreszahlen für das vom 1. Oktober 2002 bis 30. September 2003 laufende Geschäftsjahr vor: Von Oktober bis März belief sich der Nettoverlust demnach auf 368 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte Infineon noch einen Verlust von 439 Millionen Euro eingefahren. Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz in dieser Zeit um 28 Prozent auf 2,93 Milliarden Euro.

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