Chipgigant mit neuen Drohnen : Intel lernt das Fliegen

Der Chiphersteller Intel steigt in das Geschäft mit Drohnen ein – mit einem Zukauf in Deutschland.

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Drohnen wie der „Falcon 8+“ sollen etwa zur Wartung von Kraftwerken eingesetzt werden.
Drohnen wie der „Falcon 8+“ sollen etwa zur Wartung von Kraftwerken eingesetzt werden.Foto: promo

Wie eine Wespe sieht sie aus mit dem knallgelben Rumpf, hat aber acht kleine Rotoren, steht wie angeklebt im diesigen Himmel von Hamburg und wartet auf Befehle vom Piloten. Der steht am Boden hat seinen Joystick um den Bauch geschnallt und schaut auf das Tablett mit dem Kamerasignal der Dohne, gleichsam von Oben herab, auf die neugierigen Zuschauer. Die brandneue „Falcon 8plus“ stellte Intel am Dienstag vor, genau genommen eine Drohne mit Technik von Ascending aus München, den der Chipgigant aus den USA vor rund einem Jahr erworben hat. Denn Drohnen sind eines der „big things“ in der an Schrumpfung leidenden Computer-Industrie.

Gleich zwei Chefs der New Technology Group reisten an

Deshalb reisten dafür gleich beide Chefs der vor gut einem Jahr neu formierten „New Technology Group“ von Intel nach Hamburg. Die neue Gruppe ist so etwas wie die Zukunftssparte mit den mutmaßlich größten Umsatzchancen, seitdem Konzern-Chef Brian Krzanich die Parole ausgab, alles „smart und vernetzt“ machen zu wollen: Uhren, Kleidung, Fitness-Armbänder und natürlich Kameras. „Real sense“ ist die Technologie, die der US-Konzern dafür liefert. Im Fall der Drohnen sind das zwei mit Chips vernetzte Kameras, die wie die Augen des Menschen „stereoskopisch“ die Bilder zu einem Raum mit drei Dimensionen formieren, so dass sie „sehen“ können und Objekte umfliegen können.

Anil Nanduri, Drohnen-Chef bei Intel, mit der Falcon8+
Anil Nanduri, Drohnen-Chef bei Intel, mit der Falcon8+Foto: R. Schönball

„Crash-proofed“ werden die Drohnen bald sein, sagt der Chef des Bereichs Anil Nanduri voraus. Der 42-jährige ist Sohn eines indischen Raketen-Forschers, ging mit 21 Jahren in die USA und machte dort Karriere. Ohne Absturz gelang den Drohnen bei der britischen Flugmesse in Farnborough schon die Wartung einer Airbus-350-Maschine. Airbus-Chef Thomas Anders wurde vom Wall Street-Journal zitiert, wie er über die möglichen Einsparungen schwärmte. Nanduri sagt, die Inspektion dauere statt zwei Stunden, 15 Minuten. Um dem Ziel einer absturzsicheren Drohne möglichst nahe zu kommen, hat die Falcoon 8+ unter anderem zwei Batteriepacks. Fällt die eine aus, springt die zweite ein. Und der Markt sei gewaltig, gerade im Land der maroden Infrastruktur Deutschland: Brücken, Tunnel, Altbauten, aber auch Windmühlen können im Vorbeiflug HD-gescannt auf Risse, Korrosion und sonstige Schäden untersucht werden.

Zwei deutsche Firmen eingekauft

Ascending war eine von mehreren deutschen Firmen auf Intels Einkaufsliste. Gegründet hatten die Münchener Firma vier Unternehmer um Ingenieur Jan Stumpf. Keine zehn Jahre ist das her, doch bei der Übernahme im Jahr 2015 war die Firma schon auf rund 70 Mitarbeiter gewachsen. Gründer Stumpf ist inzwischen nach Santa Clara umgesiedelt zu Intel. T-Shirt mit Intel-Logo bei der Präsentation der neuen Drohne zeigen, die bayuvarisch-kalifornische Allianz funktioniert.

Intel stieg auch bei der Firma e-volo ein, die selbst fliegende elektrisch angetriebene Helikopter-Drohnen entwickelt. Ziel sei es hier, in einigen Jahren Menschen voll automatisch durch die Lüfte zu befördern. Auch hier soll die „Real Sense Technologie“ des US-Konzerns die Entwicklung beschleunigen.

Drohnen-Schwadronen in Katastrophen-Gebieten

Auch Einsätze in Katastrophen-Gebieten zur Bergung von Verschollenen sind mit dem Einsatz von Drohnen denkbar. Dank der fortschreitenden Vernetzung der Drohnen untereinander, kann ein einzelner Pilot gleich eine ganze Staffel steuern. Zu Bespaßung der Massen wurde das schon vorgeführt im Januar in Österreich als der Künstler Horst Hoertner 100 Drohnen zu einer nächtlichen Flugshow choreographierte, was Intel zu einem Eintrag ins Buch der Rekorde verhalf.

Luftfahrtbranche fordert Kontrollen

Unkontrollierte Abstürze, Kameraufnahmen auf fremden Privatgeländen sowie riskante Flüge in den Korridoren von Passagiermaschinen lassen allerdings auch den Ruf nach Regelungen für Flüge und Pilote lauter werden. Ein europäisches Bündnis aus Piloten, Fluggesellschaften und –lotsen sowie Helikopterbetreiber haben einen gemeinsamen Aufruf für eine „harmonisierte und umfassende Regulierung des Betriebs von Drohnen“ gestartet. In Deutschland herrscht bisher freier Flug für freie Drohnen. In Österreich braucht es für den Betrieb von jeder Drohne mit mehr als 250 Gramm Gewicht eine Genehmigung der Wiener Flughafen-Behörden. In den USA müssen Piloten gewerblicher Drohnen eine Flieger-Lizenz machen, erzählt Nanduri. Regulierungen brauche es schon, räumt er ein, aber diese sollten die technologische Evolution nicht abwürgen.

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