Chipindustrie : Intel macht der Branche Hoffnung

Der weltgrößte Chip-Hersteller überrascht mit guten Quartalszahlen und optimistischem Ausblick. Jetzt erwartet die IT-Industrie den Aufschwung.

Andreas Menn
Intel.jpg Foto: dpa
"Das Ergebnis spiegelt die sich verbessernden Bedingungen auf dem PC-Markt wider", sagte Unternehmenschef Paul Otellini. -Foto: dpa

DüsseldorfDer weltgrößte Computerchip-Hersteller Intel hat im zweiten Quartal deutlich bessere Geschäfte gemacht als erwartet. Der Quartalsumsatz stieg im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres um 15 Prozent auf rund acht Milliarden Dollar. „Das Ergebnis spiegelt die sich verbessernden Bedingungen auf dem PC-Markt wider“, sagte Unternehmenschef Paul Otellini am Dienstagabend nach US- Börsenschluss im kalifornischen Santa Clara.

„Die positiven Ergebnisse sind ein gutes Signal für die Erholung der Halbleiter-Branche“, sagte Analyst Rüdiger Spies vom Marktforscher IDC dem Tagesspiegel. Intel gilt aufgrund seiner überragenden Position auf dem Weltmarkt als Gradmesser für die gesamte Branchenkonjunktur. Vier von fünf Computerchips stammen aus der Fabrikation des Konzerns.

„In Deutschland haben vor allem die steigende Nachfrage der privaten Verbraucher und der gute Absatz bei den tragbaren Computern zum Aufschwung beigetragen“, sagte Intel-DeutschlandChef Hannes Schwaderer. Mit seinen stromsparenden Chips der Marke „Atom“ hat sich Intel in den vergangenen Jahren zum führenden Ausstatter kleiner Notebook-Computer, sogenannter Netbooks, entwickelt. Jetzt will Intel durch eine Kooperation mit dem weltgrößten Handyhersteller Nokia auch in das Segment der Smartphones vordringen, das sich bisher Firmen wie Qualcomm und Texas Instruments teilen. „Die Lücke zwischen dem Handy und dem Notebook wird jetzt geschlossen mit einer Fülle unterschiedlicher Geräte“, sagte Analyst Spies. „Aufgrund der hohen Stückzahlen ist das ein riesiger Markt, den sich Intel nicht entgehen lassen will.“

Die Prognose lässt Gutes erwarten für die Bilanzen von IBM und Google

Die Freude über die guten operativen Quartalszahlen des Chipherstellers werden gedämpft durch Bußgelder in Höhe von umgerechnet mehr als 1,4 Milliarden Dollar, zu denen die EU-Kommission den Konzern im Mai wegen eines unzulässigen Preiskampfes gegen den Erzrivalen AMD verurteilt hatte. Darum stand unter dem Strich des Ende Juni abgeschlossenen zweiten Quartals ein Minus von 398 Millionen Dollar.

Für das laufende dritte Quartal erwartet Intel eine weitere Erholung auf einen Umsatz zwischen 8,1 Milliarden und 8,9 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit weniger gerechnet. Die Prognose lässt Gutes erwarten für die Quartalsbilanzen von IBM und Google, die am Donnerstag folgen. Der deutsche Hersteller Infineon wird am 29. Juli seine Bücher öffnen. Analyst Spies sagt schon jetzt eine sanfte Erholung für das zweite Halbjahr voraus: „Nach unseren Prognosen wird die IT-Industrie im ersten, spätestens im zweiten Quartal des kommenden Jahres wieder auf das Niveau von 2008 gelangen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben