Wirtschaft : Chipkonzern AMD baut Dresden aus

Das Unternehmen eröffnet eine neue Fabrik – und will zum Konkurrenten Intel aufschließen

Lars Rischke

Dresden - Der US-Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) will in den nächsten Jahren deutlich wachsen und dem Rivalen Intel weitere Marktanteile abjagen. Bei der Eröffnung seines zweiten Dresdner Chipwerkes kündigte AMD-Konzernchef Hector Ruiz an, die Fertigungskapazität des Unternehmens werde sich in den kommenden drei Jahren nahezu zu verdoppeln.

AMD betreibt in Dresden bereits ein Chipwerk und beschäftigt in der sächsischen Hauptstadt insgesamt nun rund 2700 Mitarbeiter. Bis 2007 sollen in beide Werke insgesamt rund 4,9 Milliarden US-Dollar investiert sein. In Deutschland ist der Konzern damit einer der größten internationalen Investoren. Die öffentliche Hand hat das Engagement kräftig gefördert. So erhielt AMD für die zweite Fabrik eine halbe Milliarde Dollar Subventionen. Das Land Sachsen und der Bund verbürgen sich zudem für die Finanzierung.

AMD kündigte an, mit Hilfe der Investitionen in Dresden seinen Marktanteil beim wichtigen Segment der Mikroprozessoren im selben Zeitraum von derzeit etwa 20 auf rund 30 Prozent steigern zu wollen. „Die neue Chipfabrik kommt genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagte Ruiz, der sich in Dresden selbstbewusst und ungewohnt angriffslustig zeigte. „Die besten Mikroprozessoren der Welt werden hier produziert“, sagte er gleich mehrfach.

Ruiz räumte allerdings ein, dass es teilweise sehr schwierig sei, in den Markt vorzudringen. AMD hat gegen Intel ein Verfahren angestrengt. Der Vorwurf: Intel binde die Kunden durch Drohungen und Rabatte an sich. Man wolle nicht behindert werden durch unfairen Wettbewerb, betonte Ruiz.

AMD ist als Prozessorhersteller für die Computertechnik der einzige große Konkurrent von Intel. Beide Konzerne liefern sich seit Jahren ein erbittertes Rennen um die leistungsstärkeren Chips und Marktanteile. In der neuen Chipfabrik „Fab 36“ im barocken Dresden sollen Prozessoren der neuesten Generationen entwickelt und auf Basis von 300-Millimeter-Siliziumscheiben (Wafern) hergestellt werden. Die „36“ steht für das Baujahr der Fabrik, gerechnet ab 1969, dem Gründungsjahr von AMD. Dresden spielt bei den Wachstumsplänen die entscheidende Rolle. Der Konzern hat in der sächsischen Landeshauptstadt die gesamte Prozessoren-Fertigung konzentriert.

Die Produktion im neuen Werk in Dresden soll nun in kurzer Zeit hochgefahren werden. Die ersten Chips aus der neuen Fabrik sollen Anfang 2006 ausgeliefert werden. Nach den Plänen wird die Fabrik 2008 schließlich in der Lage sein, rund 100 Millionen Prozessoren auszustoßen. AMD rechnet fest damit, dass die Nachfrage nach den Mikroprozessoren weiter nach oben gehen wird. Die AMD-Manager erwarten eine steigende Nachfrage und eine nahezu volle Auslastung auch des neuen Werks. Er glaube, dass man die zusätzlichen Prozessoren in den Markt bringen könne, sagte der Chef der Dresdner Chipwerke, Hans Deppe.

Der scheidende Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) versprach in Dresden, dass Investoren aus dem Ausland in Deutschland auch künftig mit großzügiger Unterstützung rechnen könnten. „Wir reden nicht über Zahlen, wir machen das“, sagte er. Auch eine neue Regierung wolle mit dem gleichen Engagement dafür sorgen, fügte er hinzu. Zugleich sagte er zu, dass sich auch die neue Regierung für faire Wettbewerbsbedingungen einsetzen werde.

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