Wirtschaft : Chiracs Drohung treibt Ölpreis Atomstreit mit Iran führt zu hohen Spritpreisen

Oliver Trenkamp

Berlin - Der Ölpreis ist am Freitag auf den höchsten Stand seit September 2005 gestiegen. Als Ursache für den Preissprung nannten Beobachter zum einen die Drohung des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac, Atomwaffen gegen Terrorstaaten einzusetzen. Chirac heizte damit den Atomstreit mit Iran weiter an. Verunsichert habe die Märkte aber auch die Ankündigung des Al-Qaida-Anführers Osama bin Laden, er bereite neue Anschläge gegen Amerika vor.

Nach Einschätzung des Chefredakteurs des Energieinformationsdienstes, Rainer Wieck, spielt der Konflikt mit Iran „die entscheidende Rolle“ für den Anstieg des Ölpreises. Das Land fördert jeden Tag 2,5 Millionen Barrel Erdöl und ist damit der viertgrößte Öl-Exporteur der Welt. Die Handelseinheit Barrel entspricht einer Menge von 159 Litern.

Analysten halten Lieferausfälle zwar für unwahrscheinlich, doch der Preis pro Barrel könnte die 70-Dollar-Marke überschreiten, sollte der Konflikt nicht bald an Schärfe verlieren. Unterdessen schlug der iranische Vertreter bei der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) vor, die Fördermenge der Opec um eine Million Barrel zu senken.

Der Preis für ein Barrel leichtes US-Öl ist an der New Yorker Rohstoffbörse zeitweise auf 67,66 Dollar gestiegen, ein Plus von 44 Cent im Vergleich zum Vortag Er nahm damit Kurs auf die Rekordmarke von 70,85 Dollar, die im August 2005 erreicht worden war – und das trotz hoher Lagerbestände.

„Der hohe Marktpreis spiegelt die Lagerbestände in den USA kaum wider“, sagte Barbara Meyer-Bukow, Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), dem Tagesspiegel. Sie würden durch die welptpolitischen Faktoren überlagert. Die Vorräte in den USA sind sehr hoch, beim Rohöl liegen sie über dem Stand des Vorjahres. Der amerikanische Winter ist so mild, dass der Verbrauch während der Heizperiode nicht so stark anstieg wie üblich.

Jüngster Preistreiber am Ölmarkt war Osama bin Laden. Der arabische Nachrichtensender „Al-Dschasira“ hatte am Donnerstag ein Tonband ausgestrahlt, auf dem der Anführer des Terrornetzwerkes Al-Qaida den USA mit neuen Anschlägen drohte. Nach Angaben des amerikanischen Geheimdienstes CIA ist das Band „höchstwahrscheinlich“ authentisch. Das habe am Markt heftige Reaktionen ausgelöst, sagte Analyst Victor Shum von der Energieberatungsgesellschaft Purvin & Bertz.

Die Unruhen in Nigeria trugen ebenfalls zum hohen Ölpreis bei. Nach der Entführung von vier Arbeitern, die im Dienst von Shell standen, drohten Rebellen mit neuen Angriffen auf Einrichtungen der Ölindustrie. Der Konzern evakuierte 300 Mitarbeiter. Ein Shell-Sprecher sagte dem Tagesspiegel, durch die Unruhen würden pro Tag 220 000 Barrel weniger produziert.

Benzin und Diesel bleiben wegen des hohen Ölpreises auch in Deutschland teuer. Ein Liter Super kostet aktuell gut 1,28 Euro, etwa fünf Cent mehr als im Dezember 2005. Diesel ist um zwei Cent teurer geworden und kostet pro Liter 1,11 Euro.

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