Wirtschaft : Christine Bortenlänger: Auf dem Münchner Parkett gibt eine Frau den Ton an

Thomas Magenheim-Hörmann

Irgendwie fühlt sich Christine Bortenlänger immer noch als Teamspielerin. Zwar liegt ihre Basketball-Karriere, die die heute 34-Jährige immerhin in die Regionalliga führte, schon einige Jahre zurück. Andererseits hat sie bei der Bayerischen Börse AG ein neues, acht Mitarbeiter starkes Team gefunden. Seit Mitte September steht die promovierte Betriebswirtin als Mitgeschäftsführerin an dessen Spitze. Das hat für Aufsehen gesorgt. Denn damit ist sie das bundesweit jüngste Mitglied eines solchen Gremiums und auch die erste weibliche Spitzenkraft überhaupt im Topmanagement einer deutschen Börse.

"Ich habe große Öffentlichkeit und frage mich, wie ich damit umgehe," sagt die unaufdringlich wirkende Managerin zum gesteigerten Interesse an ihrer Person. Das sind nicht die Worte einer kantigen Karrierefrau, und als solche sieht sich die unverheiratete Mutter eines zwölfjährigen Sohnes auch nicht. Die jetzt erreichte Position sei zwar durchaus ein "Traumjob" mit Verantwortung und Spaßfaktor. Karrierebewußt darauf hingearbeitet habe sie aber nicht. "Ich sehe das eher als Anerkennung für meine Arbeit," ordnet Bortenlänger ihre Berufung an die Spitze der Bayerischen Börse ein. Zuvor war sie bereits zweieinviertel Jahre als stellvertretende Geschäftsführerin der Börsengesellschaft tätig, zu der sie über die Stationen Bayerische Landesbank und eine Unternehmensberatung gekommen war.

Als Vorbild will die Managerin und Mutter, die nebenher als Lehrbeauftragte für die Fachhochschule München arbeitet, aber schon gelten. "Ich will zeigen, dass es funktioniert als Frau berufstätig zu sein," bekennt die Börsenchefin, die als 16-jährige Schülerin bei einem Klassenbesuch erstmals mit dem Parkett in Berührung kam. Heute ist sie im Haus am Münchner Lenbachplatz, an dem im Vorjahr Aktien und Rentenpapiere im Wert von 456 Milliarden Mark umgesetzt wurden, federführend für Strategie, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Den Verfall speziell am Neuen Markt, der Fondsmanagern graue Haare wachsen lässt, empfindet sie als "spannende Zeit." An der Börse werde die Zukunft gehandelt und die sei eben oft unsicher, bescheidet die junge Frau im Chefsessel und wirkt dabei wie ein ruhender Pol im hektischen Börsengeschäft. Richtig rational könne es wegen dieser Unsicherheit, die stets persönlichen Urteilen unterliegt, am Parkett nicht zugehen. Zudem gebe es an der Börse "Gurus, denen viele nachlaufen", was zu Überreaktionen führen kann, wie sie derzeit zu beobachten sind. Die Zahl mündiger Anleger sieht Bortenlänger aber wachsen. Gerade private Investoren würden derzeit vernünftiger reagieren als institutionelle Anleger, stellt sie fest und spricht von einem Trend zur "now economy". Das seien Unternehmen der so genannten alten Wirtschaft, die an der Schnittstelle zu den einst hochgejubelten und nun reihenweise abstürzenden Werten der "new economy" stünden. Vor hektischer Betriebsamkeit und allzu schnellen Umschichtungen des eigenen Wertpapierbestands warnt die Börsianerin jedoch. Denn jede Transaktion koste Gebühren und fresse die Rendite auf. Von ihrer Arbeit, die täglich um acht Uhr morgens beginnt und bis sieben Uhr abends dauert, will sich die Chefin der drittgrößten deutschen Börse aber nicht auffressen lassen. Im Privaten gebe es wichtigere Dinge als an der Börse.

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