Wirtschaft : Chronik eines langen Tauziehens - Seit vier Monaten wird gestritten

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Am Anfang stand der Rücktritt: IWF-Generaldirektor Michel Camdessus erklärte am 9. November vergangenen Jahres, dass er sein Amt aus persönlichen Gründen zur Verfügung stellen werde. Die Leistungen des IWF waren stark kritisiert worden, vor allem im Zusammenhang mit Krediten an Russland. Schon zuvor stand fest, dass Camdessus Nachfolger ein Deutscher werden sollte, da keiner der bisherigen sieben Direktoren aus der Bundesrepublik stammte. Im Gespräch waren der Präsident der Osteuropabank, Horst Köhler, und der Vize-Präsident der Bundesbank, Jürgen Stark. Als aussichtsreichster Kandidat galt jedoch der Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser.

Diese Vorauswahl stieß international allerdings auf wenig Unterstützung. Bereits am 21. Dezember meldete der Tagesspiegel, dass sich die USA und Frankreich gegen Koch-Weser stemmen wollen. Von einem geeigneten Nachfolger erwarteten sie, dass er eine anerkannte internationale Persönlichkeit von großem politischen Format sei. Diese Voraussetzungen erfülle der Deutsche nicht. Stattdessen rückten der britische Generaldirektor der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, Andrew Crockett, und der Schatzkanzler Gordon Brown ins Gespräch. Allerdings bekleiden Briten zur Zeit bereits verschiedene internationale Posten, wie das Amt des Nato-Generalsekretärs, so dass eine weitere Kandidatur als unwahrscheinlich gilt.

Nach wochenlangen Verhandlungen hinter den Kulissen gab zumindest Frankreich Ende Februar offiziell seinen Widerstand gegen Koch-Weser auf. Am 29. Februar nominierte die Europäische Union den deutschen als ihren Kandidaten. Damit eskalierte der Streit mit den USA endgültig.

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