Chronik : Schwere Ölunfälle

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TORREY CANYON (1967)

Am Ende bombardiert die britische Marine das Wrack der Torrey Canyon vor der Südküste Englands mit Napalm. Die Bomben sollen das auslaufende Öl verbrennen und Schlimmeres verhindern. Trotzdem geraten 120 000 Tonnen Rohöl ins Meer, sterben tausende Tiere und verschmutzen Strände beiderseits des Ärmelkanals. Die Havarie des Tankers Torrey Canyon im März 1967 gilt als die erste große Ölkatastrophe der Welt. Entsprechend überfordert reagieren die Rettungskräfte, die durch den Einsatz von tonnenweise ölzersetzenden Chemikalien den Schaden für die Umwelt noch vergrößern. Noch 15 Jahre später fanden sie sich im Wasser. Für BP, in deren Auftrag das Schiff fuhr, hatte die Katastrophe keine langfristigen Folgen. Der britische Konzern ist heute die drittgrößte Ölfirma der Welt.

AMOCO CADIZ (1978)

Innerhalb von zwei Wochen verliert der vor der bretonischen Küste auf Grund gelaufene Tanker Amoco Cadiz 200 000 Tonnen Rohöl. 300 Kilometer Küste werden verschmutz, tausende Vögel krepieren. Auch nach zehn Jahren haben noch nicht alle dort heimischen Fisch- und Kleintierarten zu ihrer ursprünglichen Populationsdichte zurückgefunden. Noch schlimmere Schäden als das Öl verursacht jedoch auch hier ein Teil der Reinigungsarbeiten. So fördert das Abtragen von Böden die Erosion. Als irreversibel erweisen sich Schäden an den Wiesen in Meeresnähe, weil die eingesetzten schweren Maschinen die Ölklumpen tief in den Boden gedrückt haben. Kurz nach dem Unglück verklagt Frankreich die American Oil Corporation (Amoco) und erhält 1988 rund 85 Millionen Dollar zugesprochen. Zehn Jahre später fusioniert Amoco mit BP. Die Amoco Cadiz ist heute ein beliebtes Ziel für Taucher.

EXXON VALDEZ (1989)

Es ist kurz nach Mitternacht, als der Tanker Exxon Valdez vor der Küste Alaskas auf ein Riff läuft. Fast 40 000 Tonnen Rohöl fließen ins Meer. Ein Sturm verteilt den anfangs nur sieben Kilometer langen Ölteppich auf die zehnfache Länge. Am Ende sind 2000 Kilometer Küste verschmutzt, hunderttausende Tiere sterben. Die Schäden sind besonders verheerend, weil im kalten Wasser Alaskas weniger ölzersetzende Bakterien leben als in warmen Gewässern. Auch heute finden sich noch Rückstände im Boden und in den Körpern mancher Tiere. Mitte der 90er wird Exxon zu einer Strafzahlung von fünf Milliarden Dollar verurteilt. Der Ölkonzern erhebt Einspruch. Im Sommer 2008 wird die Strafe vom Obersten Gerichtshof der USA auf 500 Millionen Dollar reduziert. 1999 schließt sich Exxon mit dem Konkurrenten Mobil zum größten Mineralölkonzern der Welt zusammen.

ERIKA (1999)

Ein Unwetter verhindert im Dezember 1999 eine rasche Beseitigung des vor der französischen Küste treibenden Ölteppichs. 26 000 Tonnen Rohöl sind aus dem gekenterten Tanker Erika ausgelaufen. 400 Kilometer Küste werden verschmutzt, der Tourismus empfindlich getroffen. Wieder sterben hunderttausende Tiere. Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace beträgt der Gesamtschaden 500 Millionen Euro. Noch heute finden sich Rückstände im Küstenboden. 2008 wird der Ölkonzern Total, für den die Erika fuhr, und der Reeder zur Zahlung von rund 200 Millionen Euro verurteilt. Der nach einer Fusion mit Fina und Elf heute viertgrößte Ölkonzern der Welt, der 2009 rund 8,6 Milliarden Euro Gewinn machte, geht in Berufung. Im Frühjahr 2010 wird das Urteil jedoch bestätigt.

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