Chronik : Skandale bei Siemens

Eine bisher beispiellose Skandalserie erschüttert seit Monaten den Elektrokonzern Siemens.

Erhöhung der Vorstandsgehälter:

Während sich tausende Siemens-Mitarbeiter auf Lohnkürzungen und drohenden Jobverlust einstellen, wird Mitte September 2006 eine kräftige Gehaltserhöhung für den Siemens-Vorstand bekannt. In der Öffentlichkeit hagelt es Kritik. Gewerkschafter, Politiker und Experten werfen der Siemens-Führungsspitze "Maßlosigkeit" und "mangelndes Gespür" vor. Siemens- Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer verteidigt die Entscheidung: Auch nach der Anhebung der Vorstandsbezüge werde sich Siemens noch immer im Mittelfeld der deutschen Unternehmen bewegen. Nach der Pleite des früheren Handy-Geschäfts verzichtet das Management dann aber erst einmal auf die umstrittene Gehaltsaufstockung, sie soll den Beschäftigten von BenQ Mobile gespendet werden.

Die Pleite von BenQ Mobile: Im Juni 2005 verkündet Siemens die Trennung von der verlustreichen Handy-Sparte. Das Geschäft mit Mobiltelefonen geht an den taiwanesischen Elektronikkonzern BenQ Corp., der zudem eine saftige Mitgift von mehreren hundert Millionen Euro von Siemens erhält. Die neue Mutter kündigt an, das Unternehmen rasch aus den roten Zahlen führen zu wollen. Doch Umsatzverluste und Rückgänge bei den Marktanteilen lassen die frühere Siemens-Handy-Sparte nicht aus der Krise kommen. Als rund 800 Millionen Euro Verlust aufgelaufen sind, reicht es den Taiwanesen: Sie drehen der deutschen Tochter den Geldhahn zu und schicken sie damit in die Pleite - mehr als 3000 ehemalige Siemens-Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Sie fühlen sich von ihrem früheren Arbeitgeber im Stich gelassen und fordern Unterstützung von Siemens. Das Unternehmen richtet einen Hilfsfonds ein und stellt Mittel für die Finanzierung von zwei Transfergesellschaften für die Beschäftigten zur Verfügung.

Die Schmiergeld-Affäre: Mit einer groß angelegten Razzia bei Siemens kommt eine der bisher größten Schmiergeld-Affären in der deutschen Wirtschaftsgeschichte ins Rollen. Die Staatsanwaltschaft München I geht davon aus, dass rund ein Dutzend ehemalige und noch aktive Mitarbeiter des Konzerns in den Skandal verwickelt sind, insgesamt sechs von ihnen werden zeitweise in Untersuchungshaft genommen. Über Jahre hinweg sollen sie laut Staatsanwaltschaft eine "Bande" gebildet und mindestens 200 Millionen Euro veruntreut haben. Siemens selbst spricht später sogar von rund 420 Millionen Euro an dubiosen Zahlungen. Einen vorläufigen Höhepunkt erreicht der Skandal Mitte Dezember, als der frühere Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt vorübergehend in Haft genommen wird. Damit hat die Affäre die oberste Führungsspitze des Konzerns erreicht. Im Januar wird bekannt, dass auch der frühere Siemens-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger zu den Beschuldigten gehört. Bei der Hauptversammlung versprechen Pierer und Kleinfeld eine lückenlose Aufklärung des Korruptionsskandals.

Rekord-Kartellstrafe der EU:

Einen Tag vor der Hauptversammlung kommt am 24. Januar eine neue Hiobsbotschaft für Siemens: Als Kartellsünder muss der Elektrokonzern ein Rekordbußgeld von fast 419 Millionen Euro zahlen. Brüssel stellte Siemens neben anderen großen Elektrokonzernen wegen illegaler Preisabsprachen bei Schaltanlagen für Stromnetze an den Pranger. Das Unternehmen zeigt sich erschüttert und will gegen die Entscheidung klagen. Das Bußgeld lastet auch auf dem Konzernergebnis im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2006/07 (30. September).

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