Chronologie : Vom Schließungsschock zum Sozialplan

Mitte Januar gab der Handy-Weltmarktführer Nokia die Schließungspläne für sein Bochumer Werk bekannt. Zunächst schwebten die 2300 Mitarbeiter zwischen der Hoffnung auf eine weitere Zukunft für den Standort und der Angst vor der Arbeitslosigkeit. Doch an der Schließung war nicht mehr zu rütteln.

Düsseldorf/BochumEin Sozialplan mit einem Volumen von 200 Millionen Euro soll die schlimmsten Folgen abfedern. Eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse:

15. Januar: Nokia gibt überraschend bekannt, sein Bochumer Werk mit 2300 Beschäftigten schließen zu wollen. Damit stehen auch zahlreiche Zulieferer und rund 1000 Leiharbeiter vor einer ungewissen Zukunft.

16. Januar: Nokia sieht sich durch die geplante Verlagerung der deutschen Handy-Produktion von Bochum nach Osteuropa einer Wut-Welle und Abzocke-Vorwürfen ausgesetzt.

17. Januar: Nokia schließt Verhandlungen über eine Weiterführung seines deutschen Werkes aus. Die Entscheidung zur Schließung des Bochumer Standorts sei genau durchdacht, sagt eine Sprecherin.

18. Januar: Weiterer Dämpfer für die Hoffnungen der Beschäftigten auf Rettung ihrer Jobs: Die Bundesregierung zeigt sich skeptisch, an der unternehmerischen Entscheidung rütteln zu können.

21. Januar: Erstmals nach der Ankündigung der Werksschließung trifft sich die Nokia-Führung in Finnland mit Betriebsräten des Standortes und IG Metall-Vertretern.

22. Januar: 15.000 Menschen demonstrieren für den Erhalt des Bochumer Nokia-Werks.

24. Januar: Nach der Hiobsbotschaft für das Bochumer Nokia-Werk präsentiert der Handyhersteller eine glänzende Bilanz. Im Jahr 2007 wurde ein Rekordgewinn von 7,2 Milliarden Euro erzielt.

30. Januar: Nokia-Mitarbeitervertreter aus ganz Europa protestieren bei einem Treffen in Brüssel gegen die Schließungspläne für das Bochumer Werk.

6. Februar: Nokia soll 41 Millionen Euro Subventionen für sein Bochumer Werk zurückzahlen. Das NRW-Wirtschaftsministerium fordert das Geld zurück, weil Nokia über Jahre hinweg zu wenige Arbeitsplätze geschaffen haben soll.

10. Februar: Rund 6000 Menschen bilden eine Menschenkette um das Bochumer Werk, um gegen das geplante Aus für die Handyproduktion zu demonstrieren.

11. Februar: Nokia eröffnet im rumänischen Jucu das Konkurrenz-Werk zu seinem Bochumer Standort.

12. Februar: Die Schließung des Bochumer Nokia-Werks ist besiegelt. Bei einem Treffen im finnischen Espoo lehnt das Management die Vorschläge des Betriebsrates zum Erhalt des Standorts als "nicht umsetzbar" ab.

19. Februar: Nokia lehnt in einer ausführlichen Stellungnahme an die landeseigene NRW.Bank eine Rückforderung von Subventionen ab.

10. März: NRW zieht Konsequenzen aus dem Fall Nokia. Durch mehr Sorgfalt bei der Vergabe und strengere Kontrollen will Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) Subventionsmissbrauch verhindern.

8. April: Nokia und der Betriebsrat einigen sich auf die Eckpunkte eines Sozialplans im Gesamtvolumen von 200 Millionen Euro. Davon sind 185 Millionen Euro für Abfindungen vorgesehen. Das Bochumer Werk soll zum 30. Juni geschlossen werden. (smz/dpa)

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