Wirtschaft : Chrysler billigt Fusion

WALTER PFAEFFLE

WILMINGTON/DELAWARE .Die Chrysler-Aktionäre haben die Fusion ihres Unternehmens mit der Daimler-Benz AG gebilligt.Auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Wilmington (Delaware) stimmten die Anteilseigner dem Zusammenschluß mit einer überwältigenden Mehrheit von 97,5 Prozent zu.Nötig wären nur 50 Prozent der abgegebenen Stimmen gewesen.Bei der Aktionärsversammlung waren nur etwa 200 Anteilseigner persönlich anwesend: Die meisten der 134 000 Chrysler-Aktionäre gaben ihr Votum per Telefon, Post und Internet ab.

Chrysler-Chef Robert J.Eaton und sein Kollege Jürgen Schrempp von der Daimler-Benz AG waren gut aufeinander abgestimmt.Vor der Hauptversammlung im Hotel Du Pont in Wilmington beschrieb Eaton das Zusammengehen als eine "Ehe unter zwei gleichwertigen Unternehmen".So sieht es auch Schrempp.Doch die amerikanischen Kleinaktionäre waren nicht überzeugt.Wenn tatsächlich Gleichheit besteht, warum wird dann die Zentrale der neuen DaimlerChrysler in Stuttgart und nicht in Delaware sein, wollte eine Aktionärin wissen.Eaton räumte ein, auch ihm wären die USA als Geschäftssitz lieber gewesen, doch aus steuerlichen Gründen habe man sich einstimmig für Stuttgart entschieden.

Gregory Palmer aus New Jersey ärgerte sich darüber, daß ein traditionelles amerikanisches Unternehmen von der Bildfläche verschwindet."Ich bin Autoliebhaber, und ich bin Amerikaner.Wir verlieren eine große amerikanische Gesellschaft an einen ausländischen Investor", sagte Palmer.Eaton wiederholte, was er im Laufe der zweistündigen Versammlung mehrfach betonen mußte: Die Fusion bedeute nicht das Ende Chryslers, sondern sei der Anfang eines neues Unternehmens, das von keinem der beiden Vorgänger kontrolliert werde.Die schärfsten Angriffe auf den Eaton-Verwaltungsrat kamen von jüdischen Anteilseignern.Die über siebzigjährige Evelyn Davis, die seit Jahrzehnten auf etlichen Hauptversammlungen auftaucht - sie besitzt 500 Chrysler-Aktien - hielt Eaton vor, er habe Chrysler an deutsche Kriegsverbrecher verkauft.Auf deutsch sagte sie zu Eaton: "Nach dem Anschluß bist Du nichts mehr", und lieferte gleich die englische Übersetzung."Du bist nichts mehr, und Jürgen wird alles sein.Aber warum soll Dich das kümmern? Du verdienst an dem Deal über hundert Millionen Dollar", warf sie dem Chrysler-Boss vor.Eaton ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als Davis und eine andere jüdische Anteilseignerin aus New Jersey im Namen aller Nazi-Opfer und den amerikanischen Soldaten, die im zweiten Weltkrieg gefallen sind, an sein Gewissen appellierte.Schlimmes sei geschehen, das man nicht wieder gut machen könne, sagte Eaton, doch Daimler-Benz werde heute von einer neuen Generation geführt, die keine Schuld treffe.

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