Wirtschaft : Chrysler: Ein erster Schritt zur Sanierung

Alfons Frese

Manchmal ist eine schlechte Nachricht besser als gar keine Nachricht. In diesem Sinne ist die überraschende Mitteilung über den Stellenabbau bei Chrysler zu begrüßen; die täglichen Spekulationen über die Zahl der bedrohten Arbeitsplätze und Fabriken wurden unerträglich. Jetzt wissen 26 000 Chrysler-Beschäftigte, dass ihre Tage gezählt sind. Zu der harten Maßnahme gibt es keine Alternative: Chrysler hat in den USA einen Marktanteil von 14 Prozent, aber Kapazitäten für 20 Prozent. Also müssen sich die Kapazitäten dem Markt anpassen. Die Chrysler-Manager ziehen das übliche Programm eines in der Krise steckenden Autoherstellers durch: Kürzung der Einkaufspreise zu Lasten der Zulieferer, bei Chrysler um fünf Prozent; Kostensenkungen durch drastischen Personalabbau und Werksschließungen sowie schließlich die Suche nach Synergien im Konzernverbund, Chrysler soll verstärkt mit Mitsubishi kooperieren und sich auch der Mercedes-Technologie bedienen dürfen. So weit, so gut. Aber reicht das? Hat Chrysler wirklich "ein aufregendes Produktangebot", wie Dieter Zetsche meint? Ein PT Cruiser, in den USA zum Auto des Jahres gewählt, reicht nicht für ein Unternehmen mit 125 000 Mitarbeitern. Und da, wo Chrysler in den letzten Jahren Milliarden verdient hat, bei Geländewagen, Großraumlimousinen und Pickups, holen sich Asiaten und Europäer immer größere Marktanteile. Die Schwäche der Amerikaner zeigt insbesondere der europäische Markt, wo im Jahr nicht viel mehr als 100 000 Chrysler und Jeep verkauft werden. Kurzum: Ohne überzeugende Autos verpufft jedes Sanierungsprogramm. Auch deshalb ist die Rettung Chryslers noch keineswegs ausgemacht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar