Wirtschaft : Chrysler in italienischer Hand

Staat zieht sich zurück Fiat übernimmt Mehrheit

Washington - Knapp zwei Jahre nach der Insolvenz des US-Autobauers Chrysler verkauft der Staat nun seinen restlichen Anteil an der ehemaligen Daimler-Tochter. Die verbliebene sechsprozentige Beteiligung im Besitz der USA geht nach Angaben des US-Finanzministeriums für 560 Millionen Dollar an Großaktionär Fiat, der damit eine Mehrheit von 52 Prozent erreicht. Die Verluste für die Steuerzahler hielten sich am Ende in Grenzen: Das Ministerium investierte nach eigener Auskunft 12,5 Milliarden Dollar in Chrysler und bekommt rund 11,2 Milliarden zurück.

Die gesamte Hilfsaktion für die durch die Weltwirtschaftskrise 2007 bis 2009 schwer gebeutelte heimische Autoindustrie ist aus Sicht der Regierung in Washington eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Finanzminister Timothy Geithner sprach von „einer der unglaublichsten Kehrtwenden der jüngeren Geschichte“. Präsident Barack Obama wollte am Freitag bei einem Besuch in einem Chrysler-Werk in Toledo im US-Bundesstaat Ohio die Rettung der einstigen Vorzeigebranche feiern.

Chrysler löst sich mehr als sechs Jahre früher als ursprünglich geplant aus der staatlichen Kontrolle. Bereits vergangene Woche zahlte der Konzern seine Hilfskredite vorzeitig komplett zurück: 5,9 Milliarden Dollar an das US-Finanzministerium und 1,7 Milliarden an die kanadische Regierung. Die Zukunft liegt bei Fiat – nicht nur finanziell, sondern auch operativ. Fiat- Chef Sergio Marchionne, der zugleich auch Chrysler lenkt, hat bereits die Möglichkeit einer Fusion betont. Auch an einem Börsengang von Chrysler zeigt er Interesse. Marchionne will einen neuen weltumspannenden Autokonzern schmieden, der es auch mit Branchenriesen wie Volkswagen oder Toyota aufnehmen kann. rtr/dpa

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