Wirtschaft : Chrysler macht Daimler wieder Freude

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Berlin (fo/HB). Daimler-Chrysler, Deutschlands größter Industriekonzern, hat am Donnerstag seine Gewinnprognose erhöht. Grund sind die Sanierungserfolge bei der US-Tochter Chrysler. Für das Gesamtjahr ist Vorstandschef Jürgen Schrempp aber weiter sehr vorsichtig: Von den Märkten kämen „Signale einer wachsenden Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche und politische Entwicklung“.

Die Börse quittierte das am Donnerstag bekannt gegebene Halbjahresergebnis mit einem Kursgewinn um fast drei Prozent. Der Kurs der Daimler-Aktie war schon zu Wochenbeginn gestiegen, weil Spekulationen über ein sehr gutes zweites Quartal die Runde machten. Noch im Februar hatte Schrempp seine Prognose für den Betriebsgewinn im Gesamtjahr von 5,5 Milliarden Euro auf „sehr deutlich mehr als 2,6 Milliarden Euro“ nach unten korrigiert und damit die Anleger schwer geschockt. Mit dieser verkappten Gewinnwarnung hatte er Investoren im Unklaren gelassen, was die Unternehmensleitung tatsächlich erwartet.

Nach den deutlichen Zuwächsen beim Ergebnis im zweiten Quartal traut sich der Vorstand nun, die Gewinnprognose für 2002 anzuheben. Das Plus beim operativen Gewinn zwischen April und Juni übertraf die Erwartungen der Finanzmärkte deutlich. Statt einer Verdoppelung des operativen Gewinns aus dem letzten Jahr (1,35 Milliarden Euro) werde nun mindestens eine Verdreifachung erwartet - das entspräche dann über vier Milliarden Euro.

Im zweiten Quartal steigerte der Autohersteller sein bereinigtes operatives Ergebnis unter anderem durch deutliche Ergebnisverbesserungen bei der US-Tochter Chrysler auf 1,9 Milliarden nach 0,7 Milliarden Euro im Vorjahr. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit rund 1,3 Milliarden Euro gerechnet. Der Chrysler-Gewinn ist ein Erfolg des scharfen Sanierungskurses unter Führung von Dieter Zetsche, der vor zwei Jahren aus der Stuttgarter Zentrale in die USA geschickt worden war. Nach der schweren Krise mit Verlusten in Milliardenhöhe verdiente der US-Hersteller im zweiten Quartal 800 Millionen Euro im Vergleich zu einem Verlust von knapp 150 Millionen Euro im gleichen Vorjahreszeitraum.

Positiv wirkte sich zudem aus, dass sich Chrysler nicht an der erneuten Rabattschlacht auf dem US-Automobilmarkt beteiligt. Wie schon zum Jahreswechsel hatte General Motors (GM) in den vergangenen Wochen Finanzierungspakete mit Null Prozent Zinssatz im Angebot. Das Unternehmen will damit eine neue Nachfrageschwäche ausgleichen. GM hatte das Sonderangebot erstmals nach dem 11. September mit großem Erfolg eingeführt und damit einen Preiskampf in der amerikanischen Autoindustrie angezettelt. Folge waren erhebliche Belastungen der Gewinne der US-Autohersteller. Analysten an der Wall Street warnen daher jetzt, dass die neue Preisschlacht im zweiten Halbjahr erneut zu einer Erosion der Gewinne führen könnte. Ford hat auf den GM-Vorstoß bereits reagiert und bietet Rabatte bis zu 3000 Dollar je Auto.

Chrysler, die US-Tochter des Daimler-Konzerns, lehnt eine Null-Prozent-Finanzierung ab. Der kleinste Anbieter der „Großen Drei“ aus Detroit will die US-Kunden mit verlängerten Garantiefristen für sich gewinnen.

Über die erwartete Ergebnisentwicklung bis zum Jahresende teilte der Stuttgarter Konzern mit, man bleibe bei der Einschätzung weiter vorsichtig. „Bis jetzt wurden deutliche Fortschritte bei den Faktoren gemacht, die das Unternehmen selbst beeinflussen kann. Daimler-Chrysler geht davon aus, dass dies auch weiterhin der Fall sein wird“, hieß es. Wegen der Unsicherheiten über die weitere konjunkturelle Entwicklung könnten die Ergebnisse des ersten Halbjahres aber nicht ohne weiteres auf das zweite Halbjahr übertragen werden. Für Januar bis Juni wies der Konzern einen bereinigten operativen Gewinn von drei (im Vorjahr: 0,1) Milliarden Euro aus.

Nach Informationen des Handelsblatts wird Konzernchef Schrempp zusammen mit Aufsichtsratschef Hilmar Kopper im August Gespräche über eine Umbesetzung des 13-köpfigen Vorstands beginnen. Acht Vorstandsverträge müssen im Herbst verlängert werden. Während Dieter Zetsche (49) oder Eckhard Cordes (51) mit einer Verlängerung rechnen können, müssen andere bangen. So weiß der bei den Aktionären sehr anerkannte Finanzchef Manfred Gentz (60) noch nicht, ob er einen neuen Vertrag bekommen wird. Als ungewiss gilt auch die Zukunft von Klaus Mangold (59), Chef der Dienstleistungstochter Daimler-Chrysler Services, Forschungs-Vorstand Klaus-Dieter Vöhringer (60) sowie Einkaufschef Gary Valade (59). Mangold war erst vor Tagen als Nachfolger von Ex-Telekom-Chef Ron Sommer ins Gespräch gekommen.

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