Wirtschaft : Chrysler schockiert die Börse

Viel schlechtere Geschäftszahlen als erwartet bei der US-Tochter – die Aktie des Mutterkonzerns bricht ein

Alfons Frese

Berlin - Eine Gewinnwarnung von Daimler-Chrysler hat am Freitagnachmittag die Börse geschockt. Nachdem für die Chrysler Group ein Milliardenverlust für das dritte Quartal angekündigt worden war, stürzte die Aktie ab. Das Daimler-Chrysler-Papier verlor bis zum Handelsschluss 5,6 Prozent auf 39,18 Euro. Der Konzern hatte zuvor überraschend mitgeteilt, seine US-Sparte werde im dritten Quartal einen Fehlbetrag von 1,2 Milliarden Euro einfahren. Ende Juli war noch ein Chrysler-Verlust von 500 Millionen Euro avisiert worden. Dieser Verlust wurde damals begründet mit hohen Händlerbeständen, Produktionsausfällen aufgrund anstehender Modellwechsel und den Anlaufkosten für die neuen Modelle.

Für die nun deutlich verschlechterte Situation führt Daimler-Chrysler wiederum die Händlerbestände an. Ferner werden als Ursachen „nicht wettbewerbsfähige Gesundheitskosten“ für Mitarbeiter, steigende Kraftstoffpreise und „eine stärkere Nachfrageverschiebung hin zu kleineren Fahrzeugen“ genannt. Es sei „nicht gelungen, dem Nachfrageverhalten der Kunden mit dem bestehenden Produktportfolio zu folgen“. In der Konsequenz reduziert sich die Gewinnprognose des Konzerns für das Gesamtjahr von bislang mehr als sechs Milliarden Euro auf „eine Größenordnung von fünf Milliarden Euro“. Darin sind mögliche Ergebnisbelastungen durch die Daimler-Beteiligung am Airbus-Konzern EADS noch nicht enthalten. EADS hat Probleme mit der Markteinführung einiger neuer Flugzeuge.

Die Modellpalette der Chrysler Group, zu der auch die Marken Jeep und Dodge gehören, besteht zu rund drei Vierteln aus sogenannten Light Trucks, also voluminösen Fahrzeugen mit großen Motoren und entsprechendem Spritverbrauch. Nur ein Viertel der Chrysler-Modelle fallen unter die Kategorie Pkw. Damit hat Chrysler noch mehr Großfahrzeuge im Programm als die tief in der Krise steckenden Wettbewerber General Motors und Ford. Hinzu kommt, dass Chrysler noch keinen Hybrid-Antrieb hat, und auch deshalb vor allem von Toyota schwer in Bedrängnis gebracht wird. Schließlich ist der US-Markt seit den Terroranschlägen vor fünf Jahren von Rabatten geprägt. Damals hielten die Big Three, also General Motors, Ford und Chrysler mit Preisnachlässen die Nachfrage in Schwung. Doch diese sogenannten Incentives wurden immer umfangreicher. In der Daimler-Chrysler-Mitteilung vom Freitag heißt es zur jüngsten Entwicklung, „wesentliche Wettbewerber haben durch massive Preiszugeständnisse – vor allem bei den Light Trucks – den Margen- und Mengendruck weiter erhöht“.

Für das vierte Quartal strebt Chrysler aber wieder ein positives Ergebnis an. Dieser Optimismus stützt sich auf die Markteinführung neuer Modelle. Von zehn neuen Autos der Chrysler-Group kommen acht in der zweiten Jahreshälfte zu den Händlern, darunter „zählen viele zum wachsenden Kleinwagen“. Alles in allem soll dann Chrysler mit einem Verlust von einer Milliarde Euro das Gesamtjahr abschließen. In 2005 hatte der Chryslergewinn 1,5 Milliarden Euro betragen, der Konzerngewinn 5,2 Milliarden Euro.

Außer Chrysler geht es den Konzernsparten aktuell angeblich gut. „Die Ergebnisentwicklungen in der Mercedes Car Group, der Truck Group, von Financial Services und im Segment Van, Bus Other liegen voll im Rahmen der Erwartungen“, heißt es in der Mitteilung vom Freitag.

Ebenfalls am Freitag eröffnete Daimler-Chrysler ein neues Werk in China. Vorstandschef Dieter Zetsche sprach in Peking von einem „Meilenstein unserer langen Tradition in China“. Die Fabrik wird gemeinsam mit der chinesischen BAIC betrieben. Gebaut werden derzeit die Mercedes E-Klasse und ein Mitsubishi. Die Produktion des Chrysler 300 C soll in Kürze anlaufen. Geplant ist außerdem das neue Modell der C-Klasse, das im kommenden Jahr kommt. Insgesamt hat die Fabrik eine Jahreskapazität von 25 000 Mercedes- und 80 000 Chrysler-Fahrzeugen.

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