Wirtschaft : Cinemaxx-AG: Das Hamburger Unternehmen verspekuliert sich mit Multiplex-Kinos

Ein Überangebot an so genannten Multiplex-Kinos mit mehreren Leinwänden und "deutliche Besucherrückgänge" lassen den größten deutschen Kinobetreiber Cinemaxx in die roten Zahlen rutschen. Nach unterdurchschnittlichen Besuchszahlen im Oktober habe Cinemaxx auch im November "stark rückläufige Zahlen" registrieren müssen, teilte das Unternehmen in Hamburg mit. Der Dezember verspreche kaum Besserung. Damit bewegt sich der Betreiber gegen den Branchentrend. Der Verband der Filmverleiher rechnet für 2000 insgesamt mit einem neuen Besucher- und Umsatzrekord. Der Dezember verspreche viele Kassenschlager. Eine Cinemaxx-Sprecherin räumte ein, Besucherzahlen und Kino-Neueröffnungen stünden bei Cinemaxx in einem Missverhältnis. Die Aktie des Unternehmens brach an der Börse ein.

Normalerweise sei der kalte November immer ein besonders guter Kino-Monat; in diesem Jahr seien die Besucherzahlen bei Cinemaxx jedoch noch unter jene des traditionell schwachen Sommermonats Juli gefallen, hieß es in einer Börsenpflichtmitteilung. Dies bedeute für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2000/2001 einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe. Firmensprecherin Bettina Näpelt erläuterte, die Besucherzahlen reichten für die Anzahl der bespielten Leinwände nicht aus. "Es gab Mitte der 90er Jahre eine Goldgräberstimmung mit vielen Neueröffnungen und Projekten." Nun seien zu viele Kinos am Markt; die "Häuser werden nicht so angenommen wie sie angenommen werden müssten". Außerdem seien viele Wettbewerber aktiv, ergänzte Näpelt. 200/2001 habe es auch weniger Kassenschlager gebeben als im Vorjahr. Cinemaxx betreibt in Deutschland 34 Multiplexe mit mindestens fünf Leinwänden und mehr als 1300 Sitzen, dazu kommt eine ähnlich hohe Zahl traditioneller Filmtheater. Näpelt betonte, es werde "kein einziges Multiplex" geschlossen; bei den traditionellen Kinos seien aber Schließungen absehbar, etwa wenn ein Mietvertrag ablaufe. Zahlen wollte sie nicht nennen. An der Frankfurter Börse verlor die seit Monaten unter Druck stehende Cinemaxx-Aktie wegen der angekündigten Verluste bis zum Nachmittag 37,5 Prozent auf vier Euro (7,82 Mark). Ihr Jahres-Hoch hatte sie bei fast 25 Euro. Cinemaxx hatte das vergangene Geschäftsjahrmit einem Gewinn von 3,1 Millionen Mark bei gut 18 Millionen Gästen und 310 Millionen Mark Umsatz abgeschlossen.

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