Wirtschaft : Circus Krone GmbH: Großes Interesse an den Zirkus-Kühen Milka und Nutella

Thomas Magenheim-Hörmann

Akrobatik gehört zum Zirkus wie Tiere oder Clowns. Die Dehnübung, von der Susanne Matzenau spricht, spielt sich jedoch hinter den Kulissen ab. "Wir müssen den Spagat zwischen Kulturauftrag und solider Bilanz schaffen," sagt die Pressechefin der Münchner Circus Krone GmbH. Wie gut das in finanzieller Hinsicht gelingt, bleibt geheim. Das in vierter Generation von der heutigen Alleineigenümerin Christel Sembach-Krone betriebene Familienunternehmen arbeite profitabel, sagt Matzenau lediglich. Wenn ihr Lächeln ein Maßstab ist, arbeitet es sehr profitabel. Verluste habe Krone jedenfalls in seiner 95-jährigen Geschichte nie gemacht, obwohl in den 60-er Jahren wegen des Fernsehens die Zirkuszelte teilweise arg leer wurden. Diese Phase ist vorbei und daran können auch Computer und Internet nichts ändern, ist sich die Pressechefin sicher. "Manegenatmosphäre ist wieder gefragt," meint auch Krone-Chefin Sembach-Krone, die im Haus als "Zarin, Königin und Kaiserin in einer Person" gilt.

Die Besucherzahlen geben ihr Recht. In diesem Jahr kamen bei einer gut siebenmonatigen Europatournee rund 1,1 Millionen Besucher in das 5000 Personen fassende und damit weltgrößte Zirkuszelt. Am Stammsitz in München verfügt Krone als einziger heimischer Zirkus über einen Festbau, der binnen drei Monaten im Winter nochmal gut 400 000 Gäste anlockt. Diese Dimensionen machen den Traditionsbetrieb zum größten Zirkus Europas. Global wird er nur vom doppelt so großen US-Betrieb Ringling, Barnum & Bailey übertroffen. Ins Gehege kommen sich die beiden Riesen nicht, weil die Transportkosten jeweils transatlantische Tourneen ausschließen. In Europa erreicht nur der Schweizer Circus Knie annähernd Krone. Die erste Premiere erlebte Bremen im Jahr 1905, als der vom Osnabrücker Carl Krone gegründete Zirkus noch Circus Charles hieß. Vor dem zweiten Weltkrieg wirbelten dessen Artisten in einem 10 000 Besucher fassenden Zelt und einem 4000 Gäste Platz bietenden Festbau durch die Lüfte. Zu vergangenen Attraktionen zählen der auf einem Pferd reitende Löwe Pascha oder die Clown-Ikone Charlie Rivel. 1944 wurde der Kronebau bei einem Luftangriff völlig zerstört. Im November 1945 gab Krone jedoch bereits wieder eine Vorstellung in Garmisch-Partenkirchen zum Geburtstag des US-Generals Patton. Bis zur Einweihung des Festbaus im Jahr 1962 wurde die Zeit mit einem Provisorium überbrückt.

Wenn Krone heute auf Tournee geht, setzen sich 15 Sattelschlepper und 330 Packwagen mit insgesamt 400 Personen und gut 250 Tieren in Bewegung. Wo Krone sich niederlässt, entsteht dann für einige Wochen "eine Stadt in der Stadt" beschreibt Matzenau die Dimensionen. Das größte reisende Zirkuszelt der Welt wird von eigener Stromversorgung, Feuerwehr und einem mobilen Schulzimmer begleitet. Damals wie heute gilt der von Carl Krone erfundene Slogan "Eure Gunst - Unser Streben". Sonst ist Veränderung die einzige Konstante. "Die Leute wollen immer was Neues," sagt Matzenau. Deshalb wechselt im Münchner Festbau monatlich das Programm vollständig. Auch mit der Sommertournee gibt es keinerlei Überschneidungen. Das hat seinen Preis. Für Gagen, Steuern und Transportkosten muss Krone jährlich rund 15 Millionen Mark berappen und folglich noch mehr einnehmen, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. Denn anders als bei Theatern erhält ein Zirkus keine Subvention. Bei Eintrittspreisen zwischen 19 und 52 DM ist Krone dennoch nicht teurer als Theater.

Den anhaltenen Erfolg führt Matzenau darauf zurück, dass Zirkus "unbeschreiblich live" sei und Generationen verbinde. Zudem werde der Festbau im Sommer für Konzerte oder Musicals vermietet. Im ersten Programm dieser Spielzeit, für das traditionell im Münchner Festbau am ersten Weihnachtsfeiertag Premiere ist, will Krone mit der bewährten Mischung aus Tieren, Artisten und Clowns das Publikum begeistern. Größtes Interesse hätten im Vorfeld übrigens nicht spektakuläre Akrobatik oder Raubtiernummern erregt, sondern die Dressur von sechs friesischen Milchkühen, die auf Namen wie Milka und Nutella hören, verrät Matzenau. Die Tiere seien weder störrisch noch wahnsinnig, verspricht sie. Auch Dompteurin Jana Mandana mit ihren Elefanten ist mit von der Partie. Neben ihrem Auftritt in der Manege ist die Schweizerin auch deshalb wichtig, weil sie als Nachfolgerin der kinderlosen Sembach-Krone gilt.

Im Gegensatz zu anderen Familienunternehmen scheint es beim Krone keine Probleme mit der Nachfolge zu geben. Die Firmenchefin will sich zwar noch nicht aus dem Geschäft zurückziehen und steht selbst mit einer Pferdenummer in der Manege. "Sie ist sehr ehrgeizig und könnte einmal meine Nachfolgerin werden," hat sie jedoch kürzlich über ihr Patenkind Mandana gesagt.

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