Clean Tech World : Wasserstoff marsch!

Kein Motorbrummen und kein Benzingeruch: Auf der Clean Tech World in Berlin geht es um das Autofahren der Zukunft.

Laura Höflinger
Roter Flitzer. Der Sportwagen von Tesla fährt elektrisch.
Roter Flitzer. Der Sportwagen von Tesla fährt elektrisch.Foto: Davids

Berlin - Die Zukunft klingt wie ein Dampfkochtopf, der Luft ablässt. Ein kurzes Zischen, fertig, Wasserdampf statt CO2. Das soll eine der Lösungen sein, wenn die Ölquellen versiegt sein werden: Autos, betrieben mit Wasserstoff.

Auf dem Gelände des stillgelegten Flughafens Berlin Tempelhof hat am Donnerstag die Clean Tech World begonnen, eine Messe für Umwelttechnologie. Hier treffen Autohersteller, Gasversorger, Stromanbieter und Politiker zusammen. Alle stehen auf dem Rollfeld, hinter ihnen ragt das alte Flughafengebäude auf, ein Betonklotz, dessen Klimabilanz jedem der Anwesenden unangenehm wäre. Hier will man grüne Technologie vorführen – zum Beispiel Elektroautos. Abgeblätterte Fahrbahnmarkierungen geben den Parcours vor für rund 30 verschiedene Testwagen. Die einen sind mit Batterie betrieben, die anderen tanken Wasserstoff.

Die Firma Tesla Motors hat zweisitzige Cabrios aus Hamburg herbringen lassen. Doch deren Reichweite ist begrenzt. Nach knapp 200 Kilometern müssen die batteriebetrieben Autos wieder an die Steckdose, um aufzuladen. Und das dauert mehrere Stunden. „Wir reden dann nicht von Tankzeiten, wir reden von Standzeiten“, sagt Mirko Schwan, Ingenieur bei Opel. Vor ihm steht ein Wagen aus seinem Unternehmen, betrieben mit Brennstoffzellen, Fünftürer, klassische Familienkutsche. Ihn mit Wasserstoff zu betanken, soll laut Schwan nur drei Minuten dauern, genug für 320 Kilometer.Ein Opel-Mitarbeiter lässt den Motor des an. Man hört nichts. Der Wagen rollt an. Wieder kein Motorbrummen, und kein Benzingeruch. Einzig ein an- und abschwellendes leises Pfeifen.

Das Autofahren der Zukunft ist von außen wenig überraschend; die Innovation findet sich unter der Motorhaube. Ein glatter Block, mehr ist auf den ersten Blick nicht zu sehen, darunter versteckt liegen die Brennstoffzellen. Statt Benzin fließt Wasserstoff hindurch, an ihren Oberflächen trifft das Gas auf Sauerstoff. Was entsteht ist nichts anderes als Wasser – und viel Energie. Die treibt den Elektromotor an. Geht der kaputt, kann ein Mechaniker von heute oft wenig tun. Deswegen sollen neue Ausbildungsberufe entstehen. Opel wählt momentan Werkstätten aus, in denen die Mechaniker mit Spezialwissen sitzen sollen, wenn 2015 das Fahrzeug in Serie gehen soll, wie Schwan ankündigt.

Batterien oder Brennstoffzellen – was wird der Antrieb der Zukunft sein? „Wir wissen es nicht“, sagt Christoph Hebling vom Fraunhofer-Institut. Am Ende könnte es eine Mischung aus allem sein: Wasserstoff und Biodiesel für längere Strecken, Stromautos für Stadtfahrten. Auch Opel setzt auf mehrere Techniken. Die Nachteile des Brennstoffzellenautos sind, dass viel Energie benötigt wird, um den Wasserstoff herzustellen. Außerdem sind sie – ähnlich wie gewöhnliche Elektrofahrzeuge – schwer und teuer.

Außerdem: Woher soll der neue Treibstoff kommen? Je schneller die Technik voranschreitet, desto eiliger muss eigentlich auch die Infrastruktur entstehen. Bislang gibt es in Berlin eine Tankstelle für Wasserstoff, ihr Betreiber Total will bald eine weitere eröffnen. Shell zieht Ende des Jahres nach.

Den Wasserstoff dafür liefern vor allem zwei Konzerne: Air Liquide und die Linde AG. Der bayerische Industriegashersteller ist mit einem Tanklaster am Flughafen Tempelhof. Schläuche ragen heraus, unter hohem Druck wurde Wasserstoff in den Wagen gepumpt. Auch die Herstellung des Wasserstoffs kostet Energie, meist liefert die Erdgas, wie Thomas Zorn von Linde sagt. Das spart 30 Prozent Emissionen gegenüber normalen Diesel. Trotzdem: „Es ist immer noch kein grüner Wasserstoff“, sagt Zorn. Selbst der Tanklaster ist nur damit beladen und fährt selbst mit Diesel.

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