Wirtschaft : Clement kämpft für Airbus und Opel

Wirtschaftsminister setzt sich für den Standort Hamburg ein – es geht um mehr als 30000 Arbeitsplätze

Antje Sirleschtov

Berlin - Bei der Entscheidung des Luftfahrtkonzerns Airbus, dem deutschen Standort Hamburg-Finkenwerder mehr Zeit für den Bau einer neuen Landebahn zu geben, hat der Einfluss von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) offenbar eine Rolle gespielt. „Wir sind im ständigen Kontakt und unterstützen Hamburg“, hieß es am Freitag nicht nur in Clements Ministerium. Auch der Hamburger IG-Metall-Bevollmächtigte Bernhard Janßen bestätigte: „Der Minister unterstützt uns nach Kräften.“ Clement habe erkannt, dass die Zukunft des Arbeitsmarktes in Norddeutschland ein derartiges industriepolitisches Engagement notwendig macht, sagte Janßen. An der Flugzeugfertigung in Hamburg hängen insgesamt mehr als 30000 Arbeitsplätze vor allem in Norddeutschland.

Nachdem es dem Hamburger Senat wegen des anhaltenden Widerstands einzelner Grundstücksbesitzer bisher nicht gelungen ist, den Bau einer neuen Start- und Landebahn bis 2006 sicherzustellen, war vermutet worden, dass sich Airbus letztendlich für die Errichtung des Auslieferungszentrums des weltgrößten Passagierflugzeugs A380 im französischen Airbus-Werk Toulouse entscheiden wird. Überraschend hatte Airbus Deutschland nun erklärt, man wolle Hamburg noch bis 2006 Zeit geben und in diesem Zusammenhang auf die „nationale Balance“ im deutsch-französischen EADS-Verbund verwiesen.

Nachdem die französische EADS-Seite eine Übernahme des Rüstungskonzerns Thales prüft, war in Deutschland eine Verschiebung der Eigentümerbalance bei EADS zuungunsten Deutschlands befürchtet worden. Nach einem Treffen mit dem französischen Wirtschaftsminister Nicolas Sarkozy in Berlin hatten Clement und Sarkozy, der an diesem Wochenende aus dem Amt scheidet, allerdings erklärt, auf die deutsch-französische Balance innerhalb von EADS achten zu wollen. Dass die Zukunft des Hamburger Airbus-Werkes bei diesen Gesprächen von Wolfgang Clement eine Rolle gespielt haben, wurde in Berlin allerdings nicht bestätigt

Auch die Frage, wie weit die Einflussflussnahme von Wolfgang Clement beim Autobauer Opel geht, wollte seine Sprecherin am Freitag nicht kommentieren. Man sei im Kontakt und führe Gespräche, sagte sie. Seit Beginn der Opel-Krise hatte sich Clement immer wieder mit dem Fortgang der Konzernpläne in Europa befasst. Beobachter gehen deshalb davon aus, dass sich Clement nach wie vor für den Erhalt von möglichst vielen deutschen Arbeitsplätzen bei Opel einsetzt.

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