Wirtschaft : Clement: Rente mit 67 reicht nicht

Berlin - Nein, junge Männer sind sie nicht mehr. Wolfgang Clement, einst Superminister für Wirtschaft und Arbeit, ist 73 Jahre alt, Martin Kannegiesser, ehemals Chef von Gesamtmetall und Waschmaschinen-Fabrikant, geht auf die 72 zu. Doch sie wollen noch mitreden, gerade jetzt, wenn es um die neue Regierung geht. Sollen sie auch, denn sie geben ihren Namen für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Das ist eine Organisation, die von Firmen finanziert wird und sich für eine wirtschaftsfreundliche Politik einsetzt.

Clement muss sich dafür nicht verbiegen. „Die Rente mit 67 darf auf keinen Fall infrage gestellt werden“, fordert er. Im Gegenteil, das Rentenalter solle an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Das würde irgendwann auf eine Rente mit 69, 70 oder noch mehr hinauslaufen, denn die Menschen werden ja immer älter. Auch sollten Senioren nicht gezwungen werden, ab einem bestimmten Alter aufzuhören, das sei diskriminierend.

Werbung für eine Partei macht er nicht mehr – aus der SPD ist er 2008 ausgetreten, die FDP, mit der er sympathisiert, findet im Bundestag nicht mehr statt. Anders Kannegiesser, er streitet seit 40 Jahren für die CDU. Trotzdem geht er mit ihr hart ins Gericht. Das Versprechen der Union, die Steuern nicht zu erhöhen, sei „ein starkes Signal“, lobt er einerseits. Andererseits: „Die Sprüche der letzten Wochen sind nicht akzeptabel und könnten zu einer Verweigerungshaltung der Wirtschaft führen“, warnt er – und meint das Werben der Union um die SPD als Partner.

Für die nächste Koalition haben sich Clement und Kannegiesser auch schon ein Programm ausgedacht. „Chance 2020“ heißt es, das klingt ein bisschen nach Agenda 2010. Sparen, das Bildungssystem verbessern, Arbeitsmarktreformen beibehalten, die Energiepreise stabilisieren, das raten sie der Regierung. Und hoffen, dass sie auf den Rat nicht mehr ganz junger Männer hört. brö

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben