Wirtschaft : Clement verspricht Hilfe für Bombardier-Werk in Halle

Krisengipfel in Magdeburg wegen Schließung/Eisenbahn-Konzern will bei VW und BMW für Ersatzarbeitsplätze sorgen

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Berlin (fo). Auf einem Krisengipfel in Magdeburg mit SachsenAnhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU), Vertretern des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bahntechnikkonzerns Bombardier soll am Freitag über die Zukunft der 800 Beschäftigten des Werks in Halle-Ammendorf beraten werden. Der kanadische Konzern wird nach Informationen des Tagesspiegels dabei anbieten, Gespräche mit den Automobilherstellern BMW und Volkswagen aufzunehmen. Vor allem BMW sucht noch Mitarbeiter für sein Werk in Leipzig, das im Frühjahr 2005 die Produktion aufnehmen soll. 1500 Mitarbeiter sind bereits eingestellt, mittelfristig sollen auf dem Werksgelände einmal 5000 Menschen einen Arbeitsplatz finden. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte am Donnerstag in Magdeburg: „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie das Werk geschlossen wird.“ Das Werk sollte vor zwei Jahren schon einmal aufgegeben werden. Die Regierung sei von der Entscheidung überrascht worden, sagte Clement.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sich schon vor zwei Jahren eingeschaltet. Mit dem Versprechen eines zehn Milliarden Euro schweren Auftrags der bundeseigenen Bahn für die Schienenfahrzeugindustrie, an dem auch Bombardier beteiligt werden sollte, verhinderte der Kanzler das Aus für Ammendorf. Doch Bahnchef Hartmut Mehdorn kürzte die Fahrzeugbestellung später auf die Hälfte, weil die Bahn wegen der Vergabe von Regionalstrecken an Wettbewerber nicht mehr so viele Lokomotiven und Wagen brauchte.

An diesem Mittwoch gab Bombardier bekannt, das Werk nun doch im Jahr 2005 aufzugeben. Als Grund wird der Mangel an Aufträgen angegeben. Auch der Plan, aus Ammendorf ein Instandhaltungs-Werk zu machen, ist wegen Auftragsmangel gescheitert. Insgesamt will der weltgrößte Hersteller von Schienenfahrzeugen 6600 Arbeitsplätze abbauen und sieben seiner 35 Werke in Europa schließen. Ammendorf ist der einzige deutsche Standort, der von diesem Sanierungsprogramm so hart betroffen ist. Vor zehn Jahren galt das Werk als das modernste und auch größte seiner Art in Europa. Pro Jahr wurden über 1000 Personenwagen für die russische Staatsbahn gebaut. Dieses Geschäft brach völlig zusammen. Jetzt werden unter anderem S-Bahnen produziert.

Die IG Metall kündigte als Reaktion auf die Pläne „sehr lange“ Betriebsversammlungen für die nächsten Tage in Ammendorf an. Die Produktion des Werks dürfte damit still liegen. Die Arbeitnehmervertreter sehen sich von Bombardier getäuscht, weil noch im November ein Vertrag zur Standortsicherung unterzeichnet wurde, der über 600 Arbeitsplätze über 2006 hinaus sichern sollte.

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