Wirtschaft : Clinton und Mao

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Die Stadt Hope, in der ich geboren wurde, verfügt über ein sehr gutes Feng Shui“, schreibt Bill Clinton gleich am Anfang seiner BestsellerBiografie „Mein Leben“. Zumindest gilt das für eine gefälschte chinesische Version, die es jetzt in China gibt. Allerdings hat der Verlag Alfred A. Knopf, der das Original des Bestsellers von Ex-Präsident Clinton herausgibt, gar keine Rechte für eine chinesische Ausgabe verkauft.

Der chinesische Text ist durchsetzt mit Zitaten von Mao Tse- tung, der Clinton unter anderem inspiriert haben soll, ein Visum für einen China-Besuch zu beantragen. Das Buch offenbart einige von Clintons weniger bekannten Einflüssen, von Deng Xiaoping bis hin zu chinesischen Sagen. Medien-Piraterie ist natürlich keine spaßige Angelegenheit. Die Tatsache, dass gefälschte Versionen von Clintons Buch in den Straßen von Peking so leicht erhältlich sind, lässt Zweifel an der Ernsthaftigkeit aufkommen, wenn Chinas Führung immer wieder ankündigt, hart gegen Piraterie vorzugehen.

Die chinesische Version mag die unterhaltsamere Lektüre sein. Doch für jene, die die Abenteuer des ehemaligen US-Präsidenten gern aus seiner Sicht erfahren möchten, wird das Buch zweifellos eine Enttäuschung sein. Der Lichtblick liegt darin, dass dies eine Lektion für jene naiven Buchkäufer sein mag, die glaubten, dass sie für wenig mehr als einen Dollar etwas bekämen, was nahe am Original ist. Vorfälle dieser Art sind vielleicht das beste Mittel gegen Piraterie, weil mehr Konsumenten erkennen, dass Fälschungen recht weit von den echten Dingen abweichen können.

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