Cloud-Computing : Cebit stellt die Vertrauensfrage

06.03.2012 00:00 Uhrvon
Über allem schwebt die virtuelle Wolke. Foto: Reuters
Über allem schwebt die virtuelle Wolke. - Foto: Reuters

4200 Aussteller treffen sich auf der Cebit. Es geht vor allem um das Milliardengeschäft Cloud-Computing.

Weltweit nutzen zwei Milliarden Menschen das Internet, eine Milliarde besitzt Smartphones. In den kommenden Jahren werden diese Zahlen dramatisch steigen. „Immer mehr Menschen werden Zugang zu Informationen im Netz bekommen – und das wird die Welt verändern“, sagt Eric Schmidt. Zur Eröffnung der Computermesse Cebit wirft Googles Verwaltungsratschef einen Blick in die Zukunft.

Dazu gibt es temperamentvolle Musik von Carlinhos Brown, denn sein Heimatland Brasilien ist in diesem Jahr Partnerland der Computermesse Cebit. „Technik verbessert die Lebensqualität“, findet auch Brown.

In der Welt von morgen, wie Eric Schmidt sie sieht, stecken Chips in allen Dingen, angefangen von der Kleidung bis zu den Möbeln. Und alles kommuniziert miteinander. Die Analyse großer Datenmengen werde es möglich machen, Krisen zu erkennen, bevor sie da sind, oder Seuchen, bevor sie ausbrechen. Vor allem aber werde das Internet mehr Transparenz in politische Entscheidungsprozesse bringen. „Es wird immer weniger Plätze geben, an denen sich Diktatoren verstecken können“, sagt Schmidt.

Von den Gefahren, die im Netz selbst lauern, von Datenklau oder der Verletzung der Privatsphäre, spricht er nicht. Der Part der Mahnerin bleibt für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Je selbstverständlicher wir die neuen Techniken nutzten, um so wichtiger sei es, dass sie verlässlich und vertrauenswürdig seien.

Das Vertrauen in Informationstechnik stärken – das ist das Motto der diesjährigen Cebit. Fünf Tage lang treten 4200 Aussteller aus 70 Ländern zur größten Leistungsschau der IT-Branche an. Zum Auftakt musste der Branchenverband Bitkom allerdings seine Prognose für 2012 nach unten korrigieren. Statt eines Marktwachstums von 2,2 Prozent, wie noch im Januar vorhergesagt, erwarten die Unternehmen der Informationstechnik, der Telekommunikation und der digitalen Unterhaltungselektronik jetzt nur noch ein Umsatzplus von 1,6 Prozent auf 151 Milliarden Euro. „Die etwas konservativere Betrachtung ist der EU-Schuldenkrise geschuldet“, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf. „Die Unternehmen sind vorsichtiger geworden.“ Noch seien nicht so sehr konkrete Auswirkungen zu spüren, es herrsche aber das Gefühl, dass die Lage schwieriger werden könne. „Da geht es mehr um Psychologie als um harte Fakten“, sagte Kempf.

Wie schon im Vorjahr ist Cloud-Computing ein zentrales Thema der Messe. Dabei werden Daten und Dienste nicht mehr auf dem eigenen Computer, sondern im Internet gespeichert. „Die PC-Architektur ist überholt, die Post-PC-Ära hat begonnen“, sagte Telekom- Chef René Obermann. Das Marktpotenzial für die Dienste aus dem Netz sei enorm, und die Deutsche Telekom wolle dabei eine wichtige Rolle spielen.

Doch in punkto Vertrauen hat die Branche offenbar noch viel zu tun: Eine Studie, die der Bitkom am Montag vorlegte, ergab, dass 70 Prozent der Verbraucher keine Daten online ablegen, weil es ihnen zu kompliziert ist oder sie den Nutzen nicht sehen. Jeder Zweite, der sich der neuen Technologie verweigert, tut dies, weil er Angst vor Datenmissbrauch oder -verlust hat. Auch Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) betonte, die vielen Möglichkeiten des Internets könnten nur genutzt werden, wenn Vertrauen in die Dienste und die Anbieter herrsche. Unternehmen wie Google störten dieses Vertrauen aber immer wieder.

Obermann ist aber überzeugt, dass er künftig mit den hohen Datenschutzbestimmungen hierzulande für mehr Akzeptanz sorgen kann. „Die deutsche Cloud wird aus unserer Überzeugung zum Wettbewerbsfaktor“, sagte er. Mit einer neuen Plattform für den Mittelstand will die Telekom auch kleinere Unternehmen für Cloud-Computing gewinnen. Für Geschäftskunden startet die Telekom zudem ab sofort auch mit einem eigenen De-Mail-Angebot – und tritt damit in Konkurrenz zur Deutschen Post. Bei De-Mails ist die Identität des Absenders gesichert und die Übertragung ist verschlüsselt. Ab September soll es auch für Privatkunden losgehen.

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