Cloud Computing : Telekom baut größtes Rechenzentrum Deutschlands

Im kleinen Dorf Biere in Sachsen-Anhalt soll ein XXL-Datenspeicher entstehen. Jedes vierte Unternehmen nutzt die Cloud schon.

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2014 soll die neue Datenfabrik der Telekom ihre Arbeit aufnehmen.
2014 soll die neue Datenfabrik der Telekom ihre Arbeit aufnehmen.promo

Berlin - Biere ist ein Dorf. Gut 2000 Einwohner, 20 Kilometer südlich von Magdeburg gelegen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde es im Jahr 937. Nun soll Biere ins Hochtechnologie-Zeitalter katapultiert werden. Die Deutsche Telekom baut dort das nach eigenen Angaben größte Rechenzentrum Deutschlands.

„Wir hätten das Rechenzentrum auch in Norwegen oder Kanada errichten können“, sagt Ferri Abolhassan, Geschäftsführer der Großkundensparte T-Systems. Das Projekt sei weltweit ausgeschrieben worden, gelandet sei man dann in Sachsen-Anhalt. „Alles in allem war Biere der bei weitem wirtschaftlichste Standort.“ Mit „alles in allem“ meint er nicht nur die enormen laufenden Kosten, die bei den riesigen Serverparks wegen des hohen Strombedarfs, auch für Kühlung, anfallen. Auch „Personalkosten oder mögliche staatliche Förderung“ hätten eine große Rolle bei der Standortwahl gespielt. Wie hoch die Fördermittel sind, die das Land lockermacht, will die Telekom nicht sagen.

100 Arbeitsplätze entstehen

Auch zu konkreten Baukosten schweigt das Unternehmen. „In den Aufbau des neuen Rechenzentrums investieren wir im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.“ Das sind vor allem Kosten für die Rechentechnik, die allein eine Fläche von annähernd acht Fußballfeldern einnehmen soll, wenn die Kapazität je nach Nachfrage in drei bis vier Jahren voll ausgelastet ist. Das gesamte Gelände ist etwa vier Mal so groß und wird von der Telekom angemietet. Rund 100 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

Mit dem neuen Serverpark will der Bonner Konzern seine Kapazitäten für das Cloud-Computing erweitern. Dabei lagern Unternehmen teils ihre gesamten IT-Prozesse zur Telekom, IBM oder anderen großen Dienstleistern aus – bildlich gesprochen in eine Wolke, englisch Cloud. Die Anbieter müssen gewährleisten, dass die Unternehmen jederzeit und von jedem Ort auf aktuelle Daten zugreifen können. Als großen Vorteil rühmen sie, dass die Kunden nur das zahlen, was sie wirklich an Rechenleistung verbrauchen. Im Unterschied zu einem eigenen Serverpark lasse sich so viel Geld sparen.

Zwei Milliarden will die Telekom erwirtschaften

In der Branche gilt das als einer der größten Wachstumsmärkte. Nach einer Umfrage des IT-Verbands Bitkom greift bereits jedes vierte Unternehmen in Deutschland auf solche Cloud-Dienste zurück. Der Umsatz werde sich hierzulande von gut fünf Milliarden Euro im laufenden Jahr auf gut 17 Milliarden Euro 2016 verdreifachen. Auch die Telekom will einen Teil vom Kuchen. 2015 könnte das Großkundengeschäft zwei Milliarden Euro erlösen, schätzt das Unternehmen.

Dem großen Potenzial steht die deutliche Skepsis möglicher Nutzer gegenüber. Sind die Daten wirklich sicher und jederzeit verfügbar? Um beides zu gewährleisten, arbeiten die weltweit 22 Cloud-Rechenzentren der Telekom nach einem speziellen Prinzip. Das Unternehmen baut Parallelstrukturen an zwei Standorten auf. Der künftige Zwilling von Biere steht bereits in Magdeburg.

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