Wirtschaft : Club of Rome rechnet mit Industrie ab Desertec-Urheber kritisiert Lobbyinteresse

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Berlin - Der Club of Rome (CoR), der die Urheberschaft auf das Wüstenstromkonzept Desertec beansprucht, hat die Unternehmen, die die Umsetzung in Angriff nehmen wollten, scharf kritisiert. Offensichtlich hätten sich „kurzfristige Lobbyinteressen der Energiekonzerne durchgesetzt“, heißt es in einer am Donnerstag in Hamburg verschickten Stellungnahme des Forscherverbundes, der sich seit 1968 mit den großen Zukunftsfragen befasst. Der CoR reagiert damit auf jüngste Berichte über Auflösungserscheinungen bei der Desertec Industrial Initiative (Dii).

Die hatte sich 2009 auf Initiative von knapp 20 Konzernen formiert – darunter Eon, RWE, Munich Re, Deutsche Bank. Sie finanzieren die Münchener Dii-Geschäftsstelle mit gut 30 Mitarbeitern. Deren offizieller Auftrag ist es, auf eine Verbesserung der „die ökonomischen, technischen und regulatorischen Rahmenbedingungen“ für eine Umsetzung der Vision hinzuarbeiten.

Nach Auffassung von Mitgliedern des Clubs hat die Dii zu wenig erreicht. Sie sehe sich „den verschiedenen Interessen ihrer Gesellschafter ausgesetzt, die das Projekt zu ihren Vorteilen verändern wollen“, heißt es in der Stellungnahme. „Kräfte gewannen die Oberhand, denen es auch gelungen ist, dass die Energiewende in Deutschland von den Bürgern vor allem mit steigenden Strompreisen verbunden wird.“

Die deutschen Mitglieder des CoR, darunter DIW-Energieökonomin Claudia Kemfert, rechtfertigen in ihrem Papier auch den vor einer Woche beschlossenen Ausstieg der gemeinnützigen Desertec-Stiftung aus der Industrie-Initiative Dii. Die 100 Jahre alte Wüstenstromidee und das ganzheitliche Desertec-Konzept sollten nicht weiter beschädigt werden. Im Juli 1913 hatte der amerikanische Ingenieur Frank Shuman am Nilufer fünf Reihen großer Parabolrinnen aus Metall installiert. Die Anlage gilt als das erste solarthermische Kraftwerk der Welt. „Solarenergie gehört die Zukunft. Die Produktionskosten sinken kontinuierlich und können so in vielen Ländern der Welt zu einer bezahlbaren und sauberen Energieversorgung und somit Wohlstand beitragen“, schrieb Kemfert.

Die Dii wies die Kritik am Donnerstagabend als „unsachlich“ zurück. Es gebe keinen Richtungsstreit „sondern eine persönliche Auseinandersetzung in der Unternehmensführung, die gelöst werden wird“, kündigte Dii-Sprecher Klaus Schmidtke an. Die Strategie, Strom aus erneuerbaren Energien im Nahen Osten und Nordafrika für den wachsenden Bedarf vor Ort und den Export nach Europa zu gewinnen, verfolge man unverändert. Folglich hätten sich auch keinerlei Lobbyinteressen irgendeiner Seite bei Dii durchgesetzt, wie behauptet. „Undifferenzierte Beschuldigungen dieser Art bringen die Wüstenstrom-Idee jedenfalls nicht voran sondern diskreditieren sie in völlig unnötiger Weise“.Kevin P. Hoffmann

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