Wirtschaft : CMA soll Finanzkuchen künftig teilen

Sachsen-Anhalt fordert 2,8 Mill.DM zur Absatzförderung

MAGDEBURG (loeb).Vom großen Kuchen des zentralen deutschen Agrarmarketing möchte die Agrarmarketing-Gesellschaft Sachsen-Anhalt (AMG) künftig etwas abhaben.Und dabei will sich die Gesellschaft, die im vergangenen Jahr durch die Marketing-Idee mit den Ostpakten auch international auf sich aufmerksam machte, nicht mit Krümeln begnügen."Die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA), Bonn, hat einen Etat von 140 Mill.DM", rechnet der AMG-Vizegeschäftsführer Hasso Mansfeld vor."Betrachtet man dagegen die Tatsache, daß die Nahrungs- und Genußmittelwirtschaft in 25 Jahren 40 Prozent ihres Marktanteils am Gesamtkonsum verloren hat, muß man sagen, daß die CMA ihr Soll nicht erfüllt hat." 1970 habe die Nahrungs- und Genußmittelbranche einen Marktanteil vom 35 Prozent des nettoverfügbaren Haushalteinkommens besessen.Dieser Anteil sei 1995 auf erschreckende 21 Prozent gesunken."Mit den finanziellen Möglichkeiten der CMA hätte man dieser Entwicklung deutlich Einhalt gebieten können und müssen", meint Mansfeld.Die CMA agiere vollkommen abgehoben und lasse sich zudem von kleinen Interessengruppen domestizieren.Zudem leiste sie sich teure Marketing-Flops."1995 hat die CMA eine Kampagane für Fleisch aus Deutschland gestartet, mußte sie aber kurz nach dem Anlaufen einstellen", sagt er.Der Slogan "Ich mags am liebsten mit jungem Gemüse" hatte seinerzeit den Zorn der Landfrauenverbände erregt.Aus Rücksichtnahme auf die landwirtschaftlichen Geldgeber richte die CMA ihre Zielgruppenansprache zu stark auf die Agrar-Klientel aus.Es habe aber keinen Zweck, die Kampagnen so zu gestalten, daß sich ausgerechnet die Landwirte damit angesprochen fühlen."Damit erreiche man nur zwei Prozent der Bevölkerung", rechnet Mansfeld vor.Im Gegensatz zu den Agrarmarketing- und Absatzförderungsgesellschaften der Länder, die angesichts leerer Kassen alljährlich neu um ihren Etat bangen müssen, ist die Finanzierung der CMA durch das Absatzförderungsfondsgesetz geregelt.Bei jedem Verkauf eines Agrarprodukts in Deutschland kassiert die CMA mit.Eine Mark fließt zum Beispiel beim Verkauf eines Schweins in die Kasse der Bonner Gesellschaft, vier Mark sind es beim Verkauf einer Kuh.So kommt eigentlich einiges mehr zusammen als die 140 Millionen Mark, die im diesjährigen CMA-Haushaltsplan stehen.Die Gesellschaft muß aber starke Rückstellungen bilden, weil ihr Umsatzsteuernachforderungen in dreistelliger Millionenhöhe ins Haus stehen."Wir verlangen ja nicht, daß die CMA aufgelöst und ihr Geld auf die Landesgesellschaften verteilt wird", sagt Mansfeld.Sachsen-Anhalts Agrarwirtschaft trage vier Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung der deutschen Agrarbranche bei."Legt man diesen Wertanteil unserer Landwirtschaft zugrunde, sind in diesem Jahr 5,6 Millionen Mark von der Landwirtschaft Sachsen-Anhalts in die CMA-Kasse geflossen", sagt Mansfeld.Genau die Hälfte dieses Betrages, 2,8 Mill.DM, fordert die AMG zur Absatzförderung der Produkte Sachsen-Anhalts vom Gesamtetat der CMA."An direkten Marketingmaßnahmen für unser Bundesland ist von der CMA in diesem Jahr nämlich nichts zurückgeflossen."Angesichts des knappen Etats der Agrarmarketing-Gesellschaft von gerade mal 2,1 Mill.DM und der dringend notwendigen Werbung für Sachsen-Anhalts Agrarprodukte glaubt Mansfeld, daß seine Landesgesellschaft das Geld wesentlich effektiver und präziser verwenden könnte.Die CMA müsse ihre Aktivitäten dringend auf die Erhöhung des Stellenwertes von Essen & Trinken ausrichten, fordert Mansfeld.Zudem müsse die Kommunikation von Marken künftig einen größeren Stellenwert der CMA-Aktivitäten einnehmen.

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