Wirtschaft : CNH-Belegschaft will Baumaschinenwerk besetzen

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Berlin - Die Belegschaft des Berliner Baumaschinen-Herstellers CNH will die drohende Werksschließung nicht tatenlos hinnehmen. „Ende der Woche wird es Protestaktionen geben“, sagte Luis Sergio, Gewerkschaftssekretär der IG Metall in Berlin, dem Tagesspiegel. Zu genauen Plänen äußerte sich Sergio am Montag nicht. Nach Informationen dieser Zeitung soll es aber auch zu einer Werksbesetzung kommen. Denn bislang fehle ein ernsthaftes Gesprächsangebot. Der Berliner CNH- Vorstandschef Dieter Brammertz habe nur angeboten, über Interessenausgleich und Sozialpläne zu diskutieren, sagte Sergio. „Aber das bedeutet Schließung.“

Die Fertigung von CNH in Spandau soll im kommenden Jahr eingestellt und nach Italien verlegt werden. Davon wären rund 500 Arbeitsplätze in der Produktion und den produktionsnahen Bereichen betroffen. Betriebsrat und IG Metall befürchten sogar das Aus des gesamten Standorts mit rund 590 Arbeitsplätzen – denn mit der Schließung der Fertigung hätten auch Entwicklung, Erprobung und Vertrieb keine Chance mehr.

Der italienische Mutterkonzern von CNH hat die anstehende Verlagerung der Produktion nach Italien mit Überkapazitäten begründet. „Es geht darum, unsere Position auf dem Markt wieder zu stärken“, zitierte die „Berliner Zeitung“ am Montag eine CNH-Sprecherin. Die Produktion werde deshalb nach Imola verlagert. Mit der Krise beim Eigentümer Fiat hätten die Pläne aber „absolut nichts zu tun“.

Der Betriebsratsvorsitzende des Berliner Werkes, Christian Fromm, macht für die anstehende Schließung dagegen Managementfehler verantwortlich. Bis Ende März sei in Berlin kurzgearbeitet, dann zur Normalfertigung und im Juni sogar zu Überstunden übergegangen worden. Und nun solle das Werk plötzlich geschlossen werden. Dabei sei der Konzern profitabel: Im ersten Halbjahr 2005 sei ein Gewinn von 129 Millionen US-Dollar erwirtschaftet worden.

Die CNH Baumaschinen GmbH ist Teil des weltweit drittgrößten Bau- und Landmaschinenherstellers CNH, einer Tochter des Fiat-Konzerns. Fiat hatte 1998 das Berliner Traditionsunternehmen Orenstein und Koppel übernommen. jul

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