CO2-Ausstoß : Energieeffiziente Autos sind wie Sahnetorte

Neue Autos tragen seit dem 1. Dezember ein zweifelhaftes Effizienz-Kennzeichen. Ein kleiner Mazda kann dabei schon mal schlechter wegkommen als ein großer Audi.

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Wenn Sahnetorten ein Energie-Kennzeichen tragen müssten, dann wären Autos seit heute wie Sahnetorten. Fette Stücke mit Extra-Kalorien bekämen trotzdem eine gute Note für besondere Sahnetorten-Effizienz – solange sie nicht mit Obst und Gemüse verglichen würden. Ähnliches gilt seit dem 1. Dezember für Autos: Viele fette Dreckschleudern bekommen in den Autohäusern einen freundlichen Effizienz-Aufkleber in Grün – solange sie nicht mit Kompakt- oder Kleinwagen verglichen werden.

Kompliziert? Nein, ganz einfach. Wie bei Kühlschränken oder Fernsehern (seit Mittwoch) sollen Käufer sofort erkennen können, wie „energieeffizient“ ein Auto ist. Dafür wird der CO2-Ausstoß in Bezug zum Gewicht des Wagens berechnet und das Ergebnis in Klassen eingeordnet: von der grünen Stufe „A+“ für besonders gut bis zur schlechtesten Klasse „G“ in Rot.

Das führt bei den Kleinwagen zum Beispiel dazu, dass der VW Polo mit der Ausstattung 1.2 TDI DPF (87 Gramm CO2) ein grünes „A+“ erhält, der Mazda 2 1.5 MZR (145 Gramm Co2) aber nur ein oranges „F“. Der Mazda sieht aber nicht nur im Kleinwagenvergleich schmutzig aus: Auch der 2,3 Tonnen schwere Audi Q7 3.0 TDI (189 Gramm CO2) schafft eine bessere Note: ein hellgrünes „B“.

Philipp Rösler (FDP) spricht von einer „echten Hilfestellung“, Umweltverbände von einer „Mogelpackung“. Der Autoverband freut sich, na klar. Die fetten Sahneschnitten aus deutscher Premium-Produktion sehen Grün. Das System sei okay, schließlich dürfe man nicht „Äpfel mit Birnen vergleichen“.

Stimmt schon. Aber Sahne ist nicht so gesund. Schmeckt aber besser, zugegeben. Vor allem wohlhabenden Russen und Chinesen, die den Zwölf-Zylinder-Luxus von Daimler, BMW und Porsche kaufen. Was kümmern uns russisch- chinesische Gewichtsprobleme, könnte man fragen. Solange nicht, wie man in Moskau und Peking noch atmen kann.

Andernfalls wäre eine Schlankheitskur ratsam, hoffentlich mit Äpfeln und Birnen aus Deutschland.

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