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Coaching für Frauen : In Bewegung

26.06.2011 02:00 Uhrvon
Quadratur des Kreises. Für Frau und Karriere gilt das schon lange nicht mehr. Dennoch stoßen sie an Grenzen, das liegt auch am Durchsetzungsvermögen. Aber das kann man ja trainieren. Foto: dpa Foto: dpaBild vergrößern
Quadratur des Kreises. Für Frau und Karriere gilt das schon lange nicht mehr. Dennoch stoßen sie an Grenzen, das liegt auch am Durchsetzungsvermögen. Aber das kann man ja... - Foto: dpa

Ob Fußball oder Führungsposition – theoretisch können Frauen alles. Nur das Selbstbewusstsein muss besser werden, sagen Coaches.

Abdullah ist zehn Jahre alt, lebt in Berlin und soll an dieser Stelle für die Zukunft stehen. Er hat im April beim ersten bundesweiten Boys’ Day mitgemacht – dem Aktionstag, an dem Jungen einen Einblick in traditionell weibliche Berufe bekommen sollen. Abdullah findet, dass Berufe nichts mit dem Geschlecht zu tun haben sollten: „Eigentlich kann doch jeder alles machen.“ Er will Fußballer werden. „Und das können Mädchen doch auch.“ Klar können sie das. Das wird man bei der Frauen-Fußball-WM sehen. Aber sind wir wirklich inzwischen so weit, dass Frauen im Beruf alles können, was Männer auch können? Oder gibt es da doch Unterschiede? Und was kann man tun, um sie auszugleichen? Motiviert sind sie auf jeden Fall.

Macht man sich auf die Suche nach einer Fußballtrainerin, um sich mit ihr über solche Fragen zu unterhalten, merkt man schnell: Außer Bundestrainerin Sylvia Neid gibt es nicht viele, die in diesem Job erfolgreich sind. Eine der wenigen Frauen, die in der Frauen-Bundesliga trainieren, ist Martina Voss-Tecklenburg vom FCR Duisburg. Im Februar wurde sie allerdings wenige Monate vor Auslauf ihres Vertrags beurlaubt.

Auch im 1. FC Lübars Berlin trainiert eine Frau, dessen erste Frauen-Mannschaft in der zweiten Bundesliga Nord spielt: Die Torwarttrainerin Maja Bogs. „Ich bin im Vereinsleben voll akzeptiert“, sagt sie. Aber die 57-Jährige ist gerade dabei, ihre Aufgabe an einen Mann zu übergeben. „Nach 13 Jahren reicht es jetzt mal.“ Und dann sagt sie etwas, dass Frauen eigentlich nicht aus dem Mund einer anderen Frau hören wollen: „Männer sind die besseren und erfolgreichen Trainer.“ Warum das? „Vor ihnen hat man mehr Respekt.“

Das verschlägt einem erst einmal die Sprache im Jahr 2011. Aber hat sie nicht vielleicht ein bisschen Recht? Müssen Frauen zum Beispiel selbstbewusster im Berufsalltag werden? „Teils, teils“, sagt Barbara Walther. Die Bauingenieurin arbeitet als selbstständige Business-Coacherin in Berlin. Sie sagt: „Es gibt viele Frauen, die im Berufsleben nicht souverän genug sind. Man hat oft den Eindruck, sie könnten mehr, als sie sich zutrauen. Solche Frauen haben trotz herausragender Qualifikationen oft Schwierigkeiten, sich in die erste Reihe zu begeben – sie ziehen dann manchmal zu früh den Kopf ein.“ Solchen Frauen begegnen ihr vor allem in ihren Volkshochschulkursen. In ihren gemischten Seminaren, die von Firmen organisiert werden, sitzen weibliche Führungskräfte, die ein gesundes Durchsetzungsvermögen hätten.

Anders in ihren Volkshochschulkursen, das Spektrum reiche da von der Studentin bis zur Frau Mitte 50. Oft seien es Frauen, die gerade neu in einer Führungsposition seien, etwa im unteren Hierarchie-Level wie Team- und Gruppenleiterinnen. Meist nähmen sie an den Kursen teil, weil sie Unsicherheit im Umgang mit ihren Untergebenen verspürten: „Da geht es um Fragen wie: Darf ich denen überhaupt sagen, was sie machen sollen. Oder: Wie formuliere ich etwas, ohne unhöflich zu sein.“ Die Sache mit der Höflichkeit hat es in sich. Denn Frauen sei es oft sehr wichtig, höflich, kooperativ und sozial zu sein. Und das könnten sie nicht in Einklang bringen mit ihrer neuen Rolle als Führungskraft. Barbar Walthers Tipp: „Es hilft, sich reale Vorbilder in den betreffenden Situationen vorzustellen.“

Wie Maja Bogs. Die hat tatsächlich wenig Probleme mit ihrem Selbstbewusstsein. Fragt man sie, ob sie sich für gut in ihrem Beruf hält, so gut wie die Männer, sagt sie: „Ich geb’ mein Bestes und den Rest müssen die anderen beurteilen.“ Ihr Hauptberuf ist aber nicht der Sport. Stattdessen hat sie sich eine andere Männerdomäne ausgesucht: Sie ist Polizeiangestellte im Gefangenendienst und zwei Drittel ihrer Kollegen seien Männer. „Da muss man sich durchsetzen.“ Ein Weiterbildungsseminar speziell für Frauen, etwa zu Motivation und Selbstbehauptung käme für sie nicht infrage, sagt sie. „Ich will durch Leistung überzeugen.“ Gerade bevorstehende Gehaltsverhandlungen seien oft ein Grund dafür, dass Frauen sich an sie wenden, sagt Andrea Juchem-Fiedler.

„Frauen haben leider noch ein großes Problem damit“, sagt die Organisationspsychologin und Diplom-Kauffrau, die sich als Coacherin auf das weibliche Geschlecht und dessen Karrierebelange spezialisiert hat. Ihnen sei es oft wichtiger, einen Job zu haben, der sie ausfüllt und zufrieden macht. Das Geld stehe nicht so sehr im Vordergrund. Das Hauptproblem: Die eigene Bewertung der Arbeitsleistung. „ Frauen geben oft 120 Prozent und haben immer noch nicht das Gefühl, genug zu leisten.“ Sie würden sich schneller als Männer mit dem zufrieden geben, was sie haben, auch bei Beförderungen.

In Gesprächen arbeitet Andrea Juchem-Fiedler heraus, wie ihre Klientinnen das ändern können. Oft kämen sie nicht mit einem konkreten Ziel, sondern hätten nur das diffuse Gefühl, dass sich in ihrem Berufsleben etwas ändern müsse. Auch Kommunikations- und Rhetoriktraining sei für Frauen oft hilfreich. Andrea Juchem-Fiedler arbeitet nicht nur für einzelne Frauen. Sie wird auch von Firmen engagiert, die etwas für ihre Mitarbeiterinnen tun wollen. „Bei dem Führungs- und Fachkräftemangel sehen die Unternehmen die Notwendigkeit dazu ein.“ Ein dutzend Firmen seien unter ihren Klienten, die sie aus diesem Grund engagieren.

Die Frauenförderung fällt in vielen Unternehmen unter den Begriff „Diversity“ – Vielfalt. So auch bei Siemens. Unter anderem würde ein Seminar zum Thema „Frauen und ihr Weg im Unternehmen“ angeboten, sagt ein Sprecher. Besonders wichtig sei das weltweite Frauennetzwerk innerhalb des Unternehmens, das seit 2009 existiert: Global Leadership Organization of Women at Siemens. Dabei gehe es unter anderem um die Unterstützung weiblicher Talente in den unterschiedlichen Karrierephasen, teilt das Unternehmen mit.

„Es liegt uns am Herzen, mehr Frauen im Unternehmen zu sehen“, sagt ein Sprecher. 25 Prozent der Mitarbeiter von Siemens seien Frauen, 34 Prozent der Neueinstellungen und 19 Prozent der so genannten „Top Talente“ ebenso. Diese Zahlen widerspiegeln eine positive Entwicklung, müssten jedoch noch optimiert werden. Auch die Berliner Senatsverwaltung hat für „Frauenvertreterinnen“ der Verwaltungen eine zeitlang ein spezielles Coaching angeboten, als Unterstützung bei der Aufgabe, die Interessen der weiblichen Dienstkräfte zu vertreten. Fragt man bei der Wirtschaftsverwaltung nach, heißt es: „Leider besteht dieses Angebot aufgrund mangelnder personeller Ressourcen nicht mehr.“ Allerdings werde geprüft, ob ein solches Angebot wieder eingeführt werden könne. Es gehe darum, Defizite auszugleichen.

Defizite gibt es noch viele im Berufsalltag der Frauen – auch wenn es langsam besser wird: 31,5 Prozent der Berliner, die 2010 eine Meisterprüfung bei der Handwerskammer ablegten, waren Frauen – 6,5 Prozent mehr als 2007. Unter 111 Kraftfahrzeugtechnikern, die 2010 ihren Meister machten, war hingegen nur eine Frau. Die ist so allein auf weiter Flur wie Maja Bogs. In ihrem Fußballverein ist sie auch für die Rekrutierung neuer Trainer für die Frauen und Mädchen zuständig: „Gerade habe ich eine Frau an der Angel, hoffentlich beißt sie an, dann gäbe es auch nach weiterhin eine Trainerin im Verein.“ Und wer weiß, vielleicht wird auch Abdullah eines Tages von einer Frau trainiert.

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