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Coaching für Frauen : Schluss mit dem Abseits

18.03.2012 00:00 Uhrvon
Klar kann ich das! Dieser Zirkus in deutschen Büros kann ermüdend sein. Frauen ist das oft zu doof. Dabei kann dieses Spiel auch Spaß machen. Foto: Mattel GmbH/promoBild vergrößern
Klar kann ich das! Dieser Zirkus in deutschen Büros kann ermüdend sein. Frauen ist das oft zu doof. Dabei kann dieses Spiel auch Spaß machen. Foto: Mattel GmbH/promo - Foto: Mattel GmbH

Wie Frauen lernen, im Berufsleben mehr zu fordern – und das Spiel der Männer mitzuspielen.

Die wollen nur spielen. Alles ist ein Wettbewerb, Sieger wird, wer das teuerste Auto, den längsten Wortbeitrag oder das größte Haus vorweisen kann. Männer lieben dieses Spiel – sich miteinander messen, ein ewiges Gerangel, das im Kindergarten beginnt und im Job zur Perfektion getrieben wird. Frauen stehen meist daneben und finden das: lächerlich. „Das ist mir zu doof“, sagen sie dann, gehen schnell zum Schreibtisch und arbeiten emsig weiter. Ist ja einiges liegen geblieben in der Konferenz. Und während die Männer sich um das Alphatier scharen, um ein bisschen Selbstmarketing zu betreiben, hauen Frauen in die Tasten. Clever ist das nicht.

„Man muss mitspielen. Je mehr Macht, Geld und Einfluss man haben will, desto wichtiger ist das“, sagt Caroline Topf. Sie ist Erfolgstrainerin und Coach sowie Geschäftsführerin der Unternehmensberatung metatalk in Augsburg. Ihrer Erfahrung nach glauben Frauen, dass Leistung von selbst erkannt und dann belohnt wird. „Doch wer nicht hier schreit, wird nicht gesehen und geht leer aus“, sagt sie.

IMPONIERGEHABE

Ob in Honorarverhandlungen, im Bewerbungsgespräch oder im Alltag: eine Macke von Frauen ist, tief zu stapeln. „Dieses ständige Unterschätzen ist furchtbar“, sagt Caroline Topf. Auch Heike Kuhl setzt da an, die kritische Stimme sei bei Frauen besonders laut, sagt die Berliner Coacherin. Das klassische Problem dahinter sei, sich selbst nicht den Wert zu geben, sondern ihn über das Außen zu definieren. „Frauen sind da kulturhistorisch geprägt“, sagt Kuhl. Darum sei der erste Schritt, die Glaubenssätze neu zu definieren. „Ich beobachte es oft bei Frauen, die zu mir kommen, dass die ihre Erfolge gar nicht wahrnehmen, weil sie zu sehr auf die Defizite achten“. Ihr Rat: Mehr auf die Gewinnseite schauen. So kann man auch überzeugender auftreten.

Hier können Frauen von Männern lernen, Umgekehrt gilt das übrigens auch: „Ein Stück weit Bescheidenheit täte manchem Mann auch gut“, sagt Cornelia Topf. Daher plädiert sie dafür, beides zu können. Für Frauen ist es meist erstmal anstrengend, sich in die erste Reihe zu stellen. Denn es ist neu und ungewohnt. Aber das kann man ja üben, auch im Privaten. Beispiel: Frau bekommt ein Kompliment für ihre schicke Uhr. Sie sagt: „Das olle Ding? Die hab ich zum Abitur bekommen“. Ganz falsch, ruft dann Cornelia Topf. Besser: „Danke, die war ganz schön teuer.“ Oder: „Ach ja, die habe ich mir in Hong Kong geleistet!“ So spielt man das Spiel schon mit, Lektion Imponiergehabe. Und kann das dann auf den Job übertragen. Lobt der Vorgesetzte für eine Präsentation, unterstützt man die Anerkennung und stapelt nicht tief. Sondern hebt die eigene Leistung hervor. Und lobt er nicht, weist man ihn darauf hin, was für eine tolle Arbeit man da geleistet hat.

Nun steht die Frau in der ersten Reihe und will da auch gehört werden – bleiben sowieso. Ohne Ellbogen wird das schwierig. Sonst haben einen die anderen Kollegen ganz schnell wieder zurück gedrängt.

ABLEHNUNG AUSHALTEN

Das Problem: Frauen wollen gemocht werden. Cornelia Topf formuliert das so: „Über Leichen gehen für die Karriere ist für die meisten Frauen unvorstellbar. Aber leicht Verletzte, dass können sie akzeptieren“. Für Heike Kuhl ist dieses Gefallen wollen die größte Karrierefalle. Denn wenn man etwas durchsetzen will, kommt es nicht auf Nettigkeit an. Muss man sich auch mal Unbeliebt machen oder jemandem auf die Füße treten. „Die Angst vor Ablehnung wird überschätzt“, sagt Topf. Ihr Rat: Es einfach mal aushalten, dass man nicht gemocht wird. Dann sei das eben so, „so what!“ Nur so käme man voran. Frauen sollten nicht versuchen, es allen immer recht zu machen. Das könnten sie ohnehin nicht.

Im Gegenteil, eigentlich ist es egal, wie sie es machen, es ist immer falsch. Ist eine Frau forsch, kommt sie schnell in die Schublade „Haare auf den Zähnen“ oder „Zicke“. Ist sie nett und ruhig, wird sie als harmlos und unambitioniert abgestempelt. Bekommt sie Kinder, gilt sie als nicht mehr belastbar. Oder als Rabenmutter. Männer wie auch andere Frauen urteilen hart über eine Frau im Beruf. Insofern: mutig sein, die eigenen Wünsche durchsetzen und für sich einstehen. „Dazu gehört auch, dass ich klar und deutlich formuliere, was ich möchte. Frauen müssen die Konjunktive aus ihrer Sprache streichen“, sagt Cornelia Topf.

KLARE ANSAGEN

„Darf ich mal was fragen?“ Wenn eine Frau so ihre Sätze anfängt, rollt die Augsburger Coacherin die Augen. „Nein“, ist dann ihre Antwort. In einem Meeting wäre das ja auch die falsche Strategie. Zu zögerlich. Also mehr Mut bitte. Den könne man sich auch von den Herren abgucken, sagt Kuhl. „Die machen einfach und fragen sich nicht, ob sie das können oder dürfen“.

Ob in einer Konferenz oder im Flur, Cornelia Topf rät, mitzuspielen. Auftrumpfen, übertreiben oder auf einen Spruch auch mal bloß guckend reagieren. „Es überrascht und imponiert Männern, wenn Frauen einen Spruch oder einen Angriff mit Charme und auch mal einem Lächeln parieren“, sagt Topf. Es geht nicht um Verbissenheit. Erzählt ein Kollege von seinem tollen Auto, könne man etwas sagen wie: „Sie wissen ja gar nicht, was ich für ein tolles Auto fahre“. Überraschen und nicht tief stapeln. Auch mal den Bauch des männlichen Gegenübers pinseln. Dieses Spiel als etwas lustvolles begreifen, das auch Spaß machen kann, sagt Topf. „Es ist nicht das Spiel der Männer, die können es nur schon länger als wir Frauen“, sagt Heike Kuhl.

MEHR RAUM

Es geht also auch viel um Status. Männer haben keine Schwierigkeiten damit, ihre Erfolge vor sich her zu tragen. Heißt auch: sie reagieren darauf bei anderen. „Eine Klientin von mir geht nur noch mit einem Laptop und zwei Handys in Sitzungen“, sagt Cornelia Topf. So vergrößere sie ihren Raum. Und bringt sich auf Augenhöhe mit den männlichen Kollegen. Der Code dahinter: man ist wichtig und erfolgreich.

Für Frauen ist auch die Kleidung ein Thema. Soll man es machen wie Angela Merkel und nur noch Hosenanzüge tragen? „Um Gottes Willen nein“, sagen die Coaches Topf und Kuhl. Als Frau hat man doch viel mehr Spielraum, vor allem, je höher die Position. Und ist es mal etwas mehr, etwa ein knalliger Nagellack, könne das zwar abwertende Reaktionen herausfordern, aber die könnten Frauen wieder mit Kompetenz parieren, sagt Cornelia Topf. Man lerne ja Regeln auch, um sie zu brechen. Generell rät sie: „Tragen Sie ein Jacket! Das macht breitere Schultern, so nehmen Sie mehr Raum ein.“ Gerade auch ein Tipp für schmale Frauen.

FORDERUNGEN STELLEN

Hier beginnen für viele Arbeitnehmerinnen die Hemmschwellen. „Ja, die Position übernehme ich gerne, aber dafür will ich auch mehr Geld“. Das sagen Frauen leider viel zu wenig, wenn man Experten fragt. Wichtig sei, sich für etwas zu entscheiden, sich Ziele zu setzen, sagt Heike Kuhl. Und das zu vertreten. Vor einer Verhandlung sollte man genau wissen, was man will. Den Wert der eigenen Arbeit selber festlegen, also eine Gehaltforderung aussprechen und nicht warten, bis einem etwas angeboten wird.

Den meisten Männern machen solche Verhandlungen Spaß, hebt Heike Kuhl hervor. Die wollen spielen, pokern. Für Frauen ist das oft bloß anstrengend. Und wenn die Forderung zu hoch ist? Und darf ich überhaupt so forsch auftreten, das mache ich ja sonst nie. Expertenrat: egal, Zweifel ausschalten, hoch stapeln. Denn: Nur nett sein führt zur Unterbezahlung. So wird die nette Kollegin am Ende ihrer beruflichen Laufbahn sicherlich einen Blumenstrauß bekommen. Und dann womöglich in die Altersarmut rutschen.

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