Wirtschaft : Cobra: Die Jagd des Fuchses auf die Gans (Kommentar)

Bas Kast

Wenn der Fuchs die Gans jagt, ist klar, wer unter höherem Handlungsdruck steht: Beim Fuchs geht es um ein mehr oder weniger schmackhaftes Abendessen. Für die Gans steht das Leben auf dem Spiel. Entsprechend motiviert ist die Commerzbank bei ihrer Flucht vor der Attacke von Cobra, auf die die Bezeichnung Finanzhai besser zutrifft als Finanzfuchs. Von "substanzieller Vertiefung" ist bei den Commerzbank-Gesprächen mit dem italienischen Versicherungskonzern Generali und der spanischen Großbank BSCH die Rede. Von einer "strategischen" Entscheidung gar. Dabei ist klar, worum es hierbei wirklich geht: ums nackte Überleben. Mit der geplanten Anteilserhöhung beider südeuropäischer Unternehmen an der Commerzbank soll die Jagd von Cobra, die mit 17 Prozent bereits größter Aktionär der Commerzbank ist, abgewehrt werden. Fatal daran ist, dass nicht nur die Commerzbank, sondern auch die Anteilseigner, die da aufstocken wollen, selbst gegen Übernahmen nicht gefeit sind. Generali etwa ist mit seinen 43 Milliarden Euro Börsenkapitalisierung deutlich schwächer notiert als der französische Konkurrent Axa, der auf dem Parkett 63 Milliarden Euro wert ist. Schon tauchten in den letzten Tagen Übernahmegerüchte auf. Und was die Börse betrifft, so geht es bei der Commerzbank selbst bergab: Am Freitag sackte das Papier um 3,2 Prozent auf knapp über 35 Euro. Für die müde Gans, an der der Fuchs schon knabbert, wird es immer schwieriger, sich auf der Flucht noch etwas einfallen zu lassen.

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