Wirtschaft : Coca-Cola: Die Usbeken verlieren die Lust auf Cola

Steve Levine / Betsy Mckay

Als der Cola-Krieg Mitte der 90er Jahre auf Usbekistan übergriff, ging die Coca-Cola-Company gegen Pepsi als großer Sieger hervor. Viele Usbeken und Ausländer erklärten dies mit einer gar nicht so geheimen Geheimwaffe: Mansur Maqsudi, der 34-jährige Chef des Abfüllbetriebs von Coke in Usbekistan, war der Schwiegersohn des Präsidenten Islam Karimov. Im vergangenen Monat jedoch trennte sich die 29-jährige Präsidententochter Gulnora Karimova-Maqsudi von ihrem Mann. Seitdem hat sich das Glück für den Cola-Giganten in Usbekistan gewendet.

Steuerinspektoren, Feuerinspektoren, Zollinspektoren und selbst ein Antidrogen-Beamter haben Cokes wichtigstes Abfüllwerk in der Usbekischen Hauptstadt Taschkent durchsucht. Die Behörden nahmen den usbekischen Geschäftsführer der Abfüllfirma für 24 Stunden fest. Währenddessen wühlten sich Ermittlungsbeamte durch sein Büro. Auch die Chefbüros der Handelsgesellschaft Roz Trading der Maqsudi-Familie wurden durchsucht. Die Taschkenter Büros von Coca-Cola selbst, die mit der Abfüllfirma direkt nichts zu tun haben, blieben unbehelligt.

Die Familie Maqsudi meint, dass es der Regierung in Wirklichkeit gar nicht um mögliche Straftaten in ihren Firmen geht. "Wir haben hier eine mächtige Frau, die nicht dem üblichen Scheidungsprozedere vor Gericht folgt, sondern ihre Macht in der Regierung einsetzt", sagt Patrizia Zita, eine Freundin der Familie. Sie ist PR-Fachfrau und die Maqsudis haben alle Fragenden an sie verwiesen. Mansur Maqsudi selbst verweigerte eine Stellungnahme; seine Frau, die bis kurz vor der Trennung mit ihm und zwei Kindern in New Jersey lebte, war nicht zu erreichen. Die usbekischen Behörden geben keinen Kommentar zu den Untersuchungen und der gescheiterten Ehe.

Was auch immer die Ursache ist: Cokes Weg zum Erfolg ist typisch für viele in- und ausländische Unternehmen in der früheren Sowjetunion. Kurz nach der Hochzeit mit Gulnora boten Maqsudi und sein älterer Bruder Fareed Coca-Cola an, die Produkte des Unternehmens in Usbekistan abzufüllen. Coke hat damals durchaus daran gedacht, dass eine Partnerschaft durch Einheiraten in die Familie des ersten Mannes im Staat riskant sein könnte. Aber schließlich überwog der Wunsch, in der Region Fuß zu fassen. Usbekistan galt lange als Hochburg des Rivalen Pepsi-Cola. Mit 25 Millionen Einwohnern ist es das größte Land in Zentralasien, obwohl es arm ist und es mit seiner auf Baumwolle und Gold ausgerichteten Wirtschaft immer weiter abwärts geht. Zudem hat Präsident Karimov Schwierigkeiten mit Guerillas, die von Afghanistan aus operieren.

Ahmet Bozer, der Vorsitzende der eurasischen Abteilung von Coca-Cola, sagt, Coke habe nie besondere Vorteile aus der Verbindung zur Familie des Präsidenten gezogen. Dennoch: Kurz nachdem Coke und Maqsudi die Abfüllfirma etabliert hatten, begannen für Pepsi die Probleme. Im Jahr 1994 beendete die usbekische Regierung die langjährigen Geschäftbeziehungen mit dem Unternehmen. Stattdessen gewährte sie Coke Zugang zum einzigen großen Abfüllwerk, das die Anforderungen der Amerikaner erfüllte. Coke wurde schnell zum Renner bei usbekischen Verbrauchern und Pepsi gab die Produktion im Lande auf. Seit 1994 investierte Coca-Cola mehr als 100 Millionen Dollar in Usbekistan. Damit ist das Unternehmen einer der größten ausländischen Investoren im Land. Coke und andere alkoholfreie Getränke von Coca-Cola, wie Fanta und Sprite, erschienen in den Regalen. Die Abfüllfirma weitete die Produktion auf drei Anlagen aus.

Steuerfahnder bei Coca-Cola

Gulnora Karimova-Maqsudi wird von früheren Studienkollegen an der Harvard-Universität in Cambridge als intelligent und bezaubernd beschrieben. Sie wurde wegen der Haltung ihres Vaters zu Menschenrechten und Politik auf dem generell liberalen Campus der Eliteuniversität kritisch gesehen. "Sie ist jedoch sehr klug und verteidigte diese Politik geschickt", sagte der ehemalige Mitstudent Jonathan Phillips. Irgendwann scheiterte die Ehe. Offiziell trennte sich das Paar im Juli. Einige Tage nachdem sich die Nachricht von der Trennung in Taschkent verbreitet hatte, rief ein Regierungsbeamter die Abfüllfirma an. Er verschob ein Konzert ausländischer und usbekischer Künstler, die das Unternehmen finanziell unterstützen wollten. Die Polizei habe auch begonnen, Coca-Cola-Lastwagen ohne ersichtlichen Grund anzuhalten, erzählen Firmenmitarbeiter. Dann, am 13. August um etwa 18 Uhr, fuhren Männer des usbekischen Nachrichten- und Sicherheitsdienstes SNB am Büro von Roz Trading in Taschkent vor. Ein offizielles Schreiben ermächtigte sie, die Bücher der Firma zu überprüfen und Firmeneigentum zu konfiszieren. Der SNB nahm die meisten der 20 Computer der Firma mit. In der Zwischenzeit kam eine kleine Armee von Regierungsbeamten bei der Haupt-Abfüllungsanlage in einem anderen Teil Taschkents an. Steuerinspektoren führten die zwei Leiter der Anlage ab. Andere Inspektoren karrten Akten weg, wie Angestellte berichteten.

Hierauf riefen Manager der Taschkenter Niederlassungen die US-Botschaft an und alarmierten die Maqsudi-Brüder. Diese wiederum starteten von ihrem Büro in New Jersey aus eine Lobbying-Blitzaktion bei US-Kongressabgeordneten und dem Außenministerium. Unabhängig davon traf sich ein Coca-Cola-Vertreter in Washington mit dem usbekischen Botschafter, Shavkat Khamrakulov, und nahm Kontakt zum Außen- und Wirtschaftsministerium auf. Am 14. August überbrachten US-Diplomaten in Taschkent dem usbekischen Außenministerium die Nachricht, dass die USA besorgt seien über die Situation und die baldige Freilassung der Festgenommenen erwarteten.

Die Maqsudi-Angestellten wurden innerhalb von 36 Stunden freigelassen, aber die Überprüfungen gingen weiter. Ein Beamter der nationalen Anti-Drogen-Einheit untersuchte sogar den Cola-Sirup in der Anlage. Obwohl zeitweise sogar die Produktion gestoppt werden musste, läuft der Betrieb bei dem Abfüller jetzt wieder einigermaßen normal. Im Büro der Roz Trading in Taschkent jedoch ließen die Männer der Regierung die durchsuchten Computer der Firma auf einem Haufen zurück.

Gerade hat Coca-Cola einen Brief von den usbekischen Steuerbehörden erhalten. Dieser informierte darüber, dass die Bücher geprüft würden, um nach Beweisen für mögliche Gesetzesverletzungen zu suchen. "Usbekistan ist ein wichtiges Land für uns", sagte Bozer, der Eurasien-Präsident des Unternehmens. "Wir haben eine gute Beziehung zur usbekischen Regierung, und ich sehe nichts, was das geändert haben könnte."

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