Wirtschaft : Coca-Cola Hellenic verlässt Griechenland

Die größte Firma des Landes zieht in die Schweiz.

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Athen - Verzweifelt bemüht sich die griechische Regierung, Investoren ins Land zu locken, um der rezessionsgeplagten Wirtschaft Wachstumsimpulse zu geben – da ergreift das größte Unternehmen des Landes die Flucht. Der Umzug von Coca-Cola Hellenic in den Schweizer Kanton Zug ist weder der erste noch der letzte Fall: Tausende griechische Unternehmen haben ihren Sitz bereits ins Ausland verlegt. Erst am Montag hatte das größte Molkereiunternehmen des Landes, die Fage-Gruppe, mitgeteilt, sie werde ihren Firmensitz von Athen nach Luxemburg verlagern.

Der am Donnerstagabend angekündigte Weggang von Coca-Cola Hellenic, des weltweit immerhin zweitgrößten Abfüllers der braunen Brause, ist ein zweifacher Rückschlag: Die Firma verlagert nicht nur ihren Sitz in die Schweiz. Das an der Marktkapitalisierung gemessen größte griechische Unternehmen wechselt auch den Börsenplatz und geht von der Athener Börse an die London Stock Exchange. Der Wechsel spiegele den „internationalen Charakter“ des Unternehmens besser wider, heißt es bei Hellenic zur Begründung. Denn Griechenland ist nur eines von 28 Ländern, in denen die Firma mit rund 40 000 Beschäftigten ihre Erfrischungsgetränke abfüllt und vermarktet. Auf den griechischen Heimatmarkt entfallen nur etwa sechs Prozent des Umsatzes von 6,85 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Die griechischen Abfüllbetriebe sollen weiterlaufen. Athener Analysten sprechen dennoch von einer „sehr schlechten Nachricht für die griechische Wirtschaft und die Börse“.

Überraschend kommt dieser Schritt allerdings nicht. Seit Jahren wurde über einen möglichen Weggang des Multis spekuliert. Und schon lange klagte Coca-Cola Hellenic über die hohe Steuerlast in Griechenland, wo Unternehmensgewinne mit 20 Prozent besteuert werden. Dass der Finanzminister in der Schuldenkrise auch noch eine Sonderabgabe von den  Firmen verlangt, dürfte das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Allein die Krisenabgabe kostete Coca-Cola Hellenic in den Jahren 2009 und 2010 rund 20 Millionen Euro. Schätzungen zufolge haben seit Beginn der Krise bereits gut 3000 griechische Unternehmen das Land verlassen. Sie gingen nach Bulgarien und Zypern, wo die Steuern nur halb so hoch sind, aber auch nach Albanien, in die Türkei, nach Großbritannien oder in die Niederlande. Gerd Höhler

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