Wirtschaft : Cockerill Sambre sieht Eko nur als Aussteuer

EISENHÜTTENSTADT (dpa).Der belgische Stahlkonzern Cockerill Sambre lehnt einen losgelösten Verkauf seiner ostdeutschen Tochter Eko ab.Es werde keinen Verkauf allein dieses Unternehmens geben, erklärte der deutsche Bevollmächtigte der Cockerill-Gruppe, Hellmut K.Albrecht, in Eisenhüttenstadt.Auch in Belgien hieß es, zum Verkauf stehe nur Cockerill als Gesamtkomplex.Albrecht reagierte damit auf eine Ankündigung der Salzgitter AG, sie sei an einer Übernahme nur von Eko interessiert.

Das größte ostdeutsche Stahlwerk Eko gehört seit 1994 mehrheitlich zu Cockerill.Die Eko Stahl GmbH in Eisenhüttenstadt gehört nach der milliardenschweren Modernisierung überwiegend mit öffentlichen Mitteln heute zu den modernsten integrierten Hüttenwerken in Europa.1998 strebt Eko erstmals Gewinn an bei einem Umsatz von 1,6 Mrd.DM.Cockerill hält 60 Prozent der Anteile und will nach bisherigen Angaben möglichst noch 1998 die restlichen 40 Prozent von der Treuhandnachfolgerin BvS übernehmen.

Nach Ansicht der seit kurzem börsennotierten Salzgitter AG ist eine Übernahme von Eko Stahl sinnvoll.Beide Unternehmen arbeiteten bereits seit längerem zusammen.Es gebe erste Kontakte, hieß es.An einer Gesamtübernahme von Cockerill habe das Unternehmen kein Interesse.Albrecht bestätigte, daß der belgische Konzern derzeit einen "starken Partner" suche.Bis zum 31.Juni müßten die Angebote vorliegen, Anfang September solle eine Entscheidung fallen.Die belgische Region Wallonien besitzt etwa 80 Prozent der Cockerill-Anteile, die sie noch in diesem Jahr abgeben will.Lange Jahre mußte die Region hohe Verluste ausgleichen.Seit einigen Jahren läuft ein Umstrukturierungsprogramm.Nach einem Verlust von 8,9 Mrd.belgischen Franc (450 Mill.DM) im Jahr 1996 gab es 1997 einen Nettogewinn von drei Mrd.Franc.Der Gesamtkonzern beschäftigt 26 500 Personen.

Der Stahlkocher braucht einen starken Partner, um im internationalen Konkurrenzkampf bestehen zu können.Gespräche führte Firmenchef Jean Gandois unter anderen mit British Steel, der französischen Usinor, der luxemburgischen Arbed, den niederländischen Hoogovens, dem italienischen Riva-Konzern und mit Thyssen Krupp Stahl.

Neben seinen Hauptstandorten Lüttich und Charleroi produziert Cockerill auch in Deutschland.Die Belgier investierten 1,1 Mrd.DM in die Modernisierung der Eko und den Bau einer Warmwalzstraße.Eko erwartet in diesem Jahr schwarze Zahlen und will bei ausgelasteten Kapazitäten 2,2 Mill.Tonnen Rohstahl erzeugen.

IG-Metall-Sprecher Michael Böhm meint: "Aus Eko ist inzwischen ein kleines Juwel geworden".Das Unternehmen habe sich etabliert.Aus einem relativen Standortnachteil sei das Beste gemacht worden.Denn heute ist Eko ein integriertes Hüttenwerk mit Warm- und Kaltwalzstufe.Jüngst hat die Eko Stahl GmbH zur Finanzierung weiterer Investitionen einen Kreditvertrag über 300 Mill.DM mit Banken abgeschlossen.Noch bremsen Auflagen der EU die Wirtschaftlichkeit von Eko mit 2600 Beschäftigten.1998 haben die Eko-Manager als "Schlüsseljahr" bezeichnet.Denn externe Hilfen und Verlustübernahmen durch die öffentliche Hand wird es nicht mehr geben.1997 hatte Eko noch Verluste von 109 Mill.DM eingefahren, von denen die Treuhandnachfolgerin BvS letzmalig 100 Mill.DM übernommen hat.In einem ist sich Böhm sicher: Wer immer das Sagen bei Eko haben wird - Kapazitäten würden in dem hochproduktiven Werk nicht stillgelegt.

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