Coffee Circle : Eine runde Sache

Das Berliner Start-up Coffee Circle verkauft fair gehandelten Kaffee und sammelt Spenden für Aufbauprojekte in Afrika.

Mathias Scheithauer
Zu Besuch in Äthiopien. Unternehmer Martin Elwert (li.) prüft mit einem Partner die Qualität der Kaffeebohnen. Foto: Coffe Circle
Zu Besuch in Äthiopien. Unternehmer Martin Elwert (li.) prüft mit einem Partner die Qualität der Kaffeebohnen. Foto: Coffe Circle

Berlin - Menschen trinken Kaffee und verbessern damit die Welt. So idealistisch klingt das Geschäftskonzept des Berliner Internetunternehmens Coffee Circle. Auf der Webseite der Kreuzberger bestellen Kunden nachhaltig angebauten Gourmet-Kaffee aus Äthiopien und spenden zusätzlich zum hohen Kaufpreis gleichzeitig einen Euro pro Kilo für Aufbauhilfe vor Ort. Das Pfund Kaffee kostet ab 13,50 Euro. Das Besondere: Die zusätzliche Spende landet nicht irgendwo, sondern direkt im Umfeld des Kaffeebauern, der die Bohnen geerntet hat.

Dafür sorgen die Geschäftsführer Martin Elwert, Robert Rudnick und Moritz Waldstein-Wartenberg höchstpersönlich. Sie reisen mehrmals im Jahr nach Afrika und dokumentieren im Internet, wie das Geld eingesetzt wird. „Wir möchten Produzenten und Käufer direkt und transparent verbinden. So schließt sich der Kreis, den wir mit Coffee Circle assoziieren“, sagt Martin Elwert.

Die Unternehmensgeschichte fing vor rund vier Jahren an. Elwert war zu der Zeit als Berater für Roland Berger tätig, suchte aber schon länger nach einem Konzept um sich selbstständig zu machen. Dann nahm ihn der spätere Mitgründer Waldenstein-Wartenberg mit zu einem Sozialprojekt nach Äthiopien, um eine Schule für Waisenmädchen zu eröffnen. Das hat Elwert inspiriert: „Beim Helfen habe ich mein soziales Bewusstsein entdeckt. Ich habe überlegt: Es muss doch möglich sein, ein profitables Geschäft aufzubauen und damit gleichzeitig etwas Wohltätiges zu tun.“

Schnell kam die Idee auf, mit äthiopischem Kaffee zu handeln – von dem Elwert bis heute schwärmt: „Der Kaffee ist aufgrund der perfekten Anbaubedingungen einer der besten der Welt und tief in der äthiopischen Kultur verwurzelt.“ Gleichzeitig sei dessen weltweiter Handel aber von einer sozialen Schieflage geprägt. „Während westliche Handelsketten Spitzenumsätze mit den hochwertigen Bohnen erzielen, reichen die Einnahmen der Kaffeefarmer oft nicht einmal dazu, ihre Familien zu ernähren“, erklärt Elwert. Meist verdienten die Bauer nicht mehr als zwei Dollar pro Tag. Schuld sei der Wettbewerb auf dem weltweiten Kaffeemarkt, der zum Großteil über den Preis ausgetragen wird. Der Preisdruck wirkt sich letztendlich bei den kleinen Kaffeebauern am meisten aus. Diese unwürdigen Umstände gaben den Ansporn, mit dem dritten Gründer Robert Rudick ein Unternehmen zu gründen. „Zusammen entwickelten wir die Grundidee von Coffee Circle und suchten nach geeigneten Vertriebswegen“, sagt Elwert.

Bei der Analyse des Marktes wurde den ambitionierten Weltverbesserern klar, dass für sie Kaffee mit dem Fairtrade-Siegel nicht fair genug ist. „Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, da ein zu großer Teil des Geldes in der Verwaltung stecken bleibt und die Verwendung zu undurchsichtig ist.“ Das Fairtrade-Siegel wird in Deutschland vom Kölner Verein Transfair verliehen. Nach Angaben von Transfair bleiben pro verkauftem Kilogramm rund 24 Cent in dessen Verwaltung stecken. Für Coffee Circle war das zu viel. Sie entwickelten ihr eigenes Fördermodell. Unterstützt wurde das Unternehmen am Anfang mit einem Gründerkredit über 100 000 Euro von der KfW-Bank. Später stieg die Tengelmann-Gruppe ein und übernahm 30 Prozent der Anteile. Der Handelskonzern knüpfte damit gewissermaßen an seine Ursprünge als Kaffeehändler an. Trotzdem verkauft Coffee Circle weiterhin über das Internet und nicht über die Tengelmann-Regale. Der Konzern lässt den Berlinern freie Hand bei allen wichtigen Entscheidungen, sagen die Gründer.

Fair gehandelter Kaffee ist für Kunden in Deutschland kein neues Phänomen. „Kaffee ist vor Rosen und Bananen das meistgekaufte Fairtrade-Produkt – und das seit Jahren“, berichtet Edith Gmeiner von Transfair. Die Auswahl ist groß: Mehr als 300 verschiedene Kaffee-Artikel im Handel sind Fairtrade-zertifiziert. Der Anteil am Kaffee-Gesamtmarkt beträgt dennoch nur 2,2 Prozent. Doch die Nachfrage steigt. „Das hat historische Gründe. Mexikanischer Kaffee war vor rund 20 Jahren das erste Produkt, das unter nachhaltigen Bedingungen produziert und verkauft wurde. Das hat sich im Bewusstsein der Deutschen festgesetzt“, erklärt Gmeiner.

Das spürt auch Coffee Circle. Bis zu 2500 Bestellungen erreichen das Unternehmen pro Monat. Bei der Menge kommt eine große Spendensumme zusammen. „Aktuell haben wir Spenden in Höhe von rund 50 000 Euro erwirtschaftet. Damit bauen wir zum Beispiel gerade eine Schule für 500 bis 600 Kinder, die wir bei unserer nächsten Reise einweihen. Es ist wirklich eine große Motivation, zu sehen wie viel man vor Ort mit verhältnismäßig wenig Geld bewirken kann“, sagt Elwert und verschwindet anschließend wieder zwischen den zahlreichen Bildschirmen im Büro.

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