Wirtschaft : Coleman geht nach sechs Monaten

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Der Chefsessel im zweitgrößten europäischen Softwarehaus Baan dreht sich wieder: Mary Coleman ist sechs Monate nach Antritt ihres Postens als Vorstandsvorsitzende bei dem niederländischen Unternehmen zurückgetreten. Das teilte Baan am Dienstag im niederländischen Barnveveld mit. Mark Hamilton, Vize-Präsident des Unternehmens, sagte dem Tagesspiegel, Coleman habe sich aus persönlichen Gründen zurückgezogen. Die 44jährige wohne nach wie vor in Kalifornien und habe festgestellt, dass ihr das Pendeln zwischen den beiden Firmensitzen Barneveld, Holland, und Herndon, USA, zu anstrengend sei. Die schlechte wirtschaftliche Situation des Unternehmens habe bei ihrer Entscheidung keine Rolle gespielt. Für das vierte Quartal 1999 erwartet Baan einen Verlust von 250 Millionen Dollar (485 Millionen Mark). Erst im Juli 1999 hatte die im Silicon-Valley "Eiserne Lady" der Softwarebranche genannte Amerikanerin die Führung bei Baan übernommen. Sie sollte das krisengeschüttelte Unternehmen zurück in die schwarzen Zahlen führen. Dies war ihr nicht gelungen. Colemans Aufgaben bei Baan übernimmt vorläufig Aufsichtsratschef Pierre Everaert. Im Unternehmen sollen vier Prozent der Arbeitsplätze gestrichen werden, ferner ist die Schließung von 14 Niederlassungen geplant. Baan bschäftigt zurzeit rund 4700 Mitarbeiter und gehört zu den führenden Herstellern von Software zur Steuerung von Geschäftsprozessen und Verwaltung von Kundenkontakten.

Selbst Branchenkenner an der Amsterdamer Börse hatten nicht erwartet, dass die als impulsiv geltende Amerikanerin so schnell das Handtuch werfen würde. Die Baan-Aktien sanken am Dienstag in Amsterdam um bis zu 5,34 Euro auf 9,44 Euro. Mit Colemans Rücktritt wechselt die Führung bei Baan nun zum dritten Mal binnen anderthalb Jahren. Coleman hatte das Ruder von Tom Tinsley übernommen, der wiederum erst Ende Juli 1998 den stark kritisierten Firmengründer Jan Baan abgelöst hatte. Unter Tinsley war das Unternehmen noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht: Im Jahre 1998 übertraf Baan mit einem Konzernverlust von 315 Millionen Dollar alle Befürchtungen. Das schlechte Ergebnis ist unter anderem mit der schwierigen Auftragslage der meisten Hersteller für Betriebssoftware zu erklären. Die meisten Unternehmen haben die Angst ihrer Kunden vor dem Jahr-2000-Problem zu spüren bekommen. Viele Bestellungen blieben aus, weil die Anwender erst die Umstellung auf das Jahr 2000 abwarten wollten.

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