Wirtschaft : Comcast will Disney doch nicht Kabelnetzkonzern zieht Milliardenofferte zurück

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(dpa/mot). Der US Kabelnetzbetreiber Comcast steigt vorerst nicht zum größten Medienkonzern der Welt auf. Das Unternehmen zog am Mittwoch sein Übernahmeangebot von 66 Milliarden Dollar für den Unterhaltungskonzern Walt Disney zurück. Der umstrittene Disney-Chef Michael Eisner hatte sich gegen die bislang größte Fusionsofferte der Mediengeschichte gewehrt, war aber intern stark unter Druck geraten. „Es ist deutlich geworden, dass es auf Seiten von Disneys Management und Aufsichtsrat kein Interesse gibt, Comcast und Disney zusammenzubringen“, sagte Comcast-Chef Brian Roberts zur Begründung. Ursprünglich hatte Comcast geplant, das große Unterhaltungsangebot von Disney seinen 22 Millionen Kabelnetz-Abonnenten zugänglich zu machen.

Comcast gab am Mittwoch zugleich einen Gewinn von 65 Millionen Dollar für das erste Quartal 2004 bekannt. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren noch rote Zahlen von 297 Millionen Dollar angefallen. Der Umsatz stieg um 9,8 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar. „Wir sind bei unseren Akquisitionsversuchen immer sehr diszipliniert vorgegangen“, sagte Roberts. Das bedeute auch, den Zeitpunkt zu kennen, zu dem der Rückzug bei einer Offerte sinnvoll sei. Dieser Zeitpunkt sei bei dem Gebot für Disney nun erreicht.

Für Roberts ist es die erste große Niederlage, nachdem er 2002 durch die ebenfalls unfreundliche Übernahme der AT&T-Kabelsparte sein Unternehmen zum US-Marktführer ausgebaut hatte. „Roberts hat einen Versuchsballon fliegen lassen und dann erkannt, dass sich die Entscheidungsgrundlagen geändert haben“, kommentierte ein Medienanalyst den Comcast-Rückzug. Der zuletzt heftig umstrittene Disney-Chef Michael Eisner dürfte dagegen nun etwas weniger Druck verspüren. Der Verwaltungsrat sprach dem Vorstandschef erneut sein Vertrauen aus.

Eisner hat allerdings noch unter anderem mit den schwachen Ergebnissen der Filmsparte zu kämpfen. So floppten große Produktionen wie „Home on the Range“, „Hidalgo“ und „Enchanted“ an der Kinokasse. Auch die jüngste Hoffnung, der Spielfilm „The Alamo“, brachte nicht den erwarteten Durchbruch. 2003 war die Disney-Filmsparte mit „Nemo“ und „Fluch der Karibik“ noch eine wichtige Ertragsstütze für den Konzern gewesen.

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