Wirtschaft : Comeback der deutschen Autohersteller auf dem US-Markt

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen BMW und Mercedes / Lieferprobleme könnten Aufschwung stoppen DETROIT (grü).Das Bad in der Menge der Journalisten tat VW-Konzernchef Dr.Ferdinand Piech diesmal richtig gut.Der Konzernlenker, der in die amerikanische Autometropole Detroit gereist war, um auf der Autoshow die Weltpremiere des Käfer-Nachfolgers "Beetle" zu feiern, genoß den ersten öffentlichen Auftritt in den USA seit Jahren sichtbar.Das war vor zwölf Monaten noch ganz anders.Damals war Piech inkognito in die USA gekommen, um streng geheim hinter den Kulissen der Autoshow mit General-Motors-Managern eine friedliche Lösung in der Lopez-Affäre herbeizuführen. Der jahrelange Disput mit dem US-Autohersteller war beim jüngsten Auftritt Piechs in Detroit kein Thema mehr.Allenfalls die stetige Präsenz von VW-Sicherheitschef Langendörfer, bekannt als ehemaliger Fahnder im Entführungsfall Reemtsma, könnte als Hinweis darauf dienen, daß eine gewisse Furcht vor einem Zugriff der manchmal unberechenbaren US-Justiz als Spätfolge der Lopez-Affäre doch noch vorhanden war.Gekommen war Piech, um der amerikanischen Öffentlichkeit von der Wiedergeburt des legendären Käfers zu künden.Der Beetle krabbelt, anders als sein Urahn, aus einem Werk in Mexiko zunächst auf die Märkte Nordamerika und Europa und soll mit seiner überschaubaren Stückzahl von 100 000 Exemplaren mehr Lifestyle-Objekt denn Massen-Vehicle sein.Zwar soll sich die Produktion je zur Hälfte auf Nordamerika und Europa verteilen, doch schätzen Unternehmenskreise, daß sich der US-Markt ein weitaus größeres Kontingent einverleiben wird.Für Piech steht fest, daß VW in den USA "nie wieder das Ein-Auto-Unternehmen werden wird", wie es in den 50er und 60er Jahren der Fall war, als die Wolfsburger einzig mit dem Käfer diesen wichtigen Markt bedienten.Künftig will VW mit einer "kompletten Linie von außergewöhnlichen Produkten" in Nordamerika vertreten sein, kündigte Piech an.Das wird wohl auch nötig sein, wenn Piech dem selbstgesteckten Ziel, Mercedes Paroli bieten zu wollen, näherkommen will. Das VW-Absatzwachstum in den USA nahm sich 1997 mit 1,5 Prozent auf knapp 138 000 Autos bescheiden aus, verglichen mit dem knapp 35prozentigen Verkaufsplus von Mercedes.Zwar konnte die VW-Tochter Audi einen Zuwachs von 25 Prozent verbuchen, liegt mit 34 000 Autos aber immer noch auf niedrigem Absatzniveau.Daimler-Benz hat die Entscheidung, in Alabama ein neues Werk zu errichten und mit der geländegängigen M-Klasse ein Fahrzeug ganz nach dem Geschmack der US-Käufer zu bauen, kräftigen Rückenwind bekommen.Schon heute ist klar, daß die geplanten 65 000 Exemplare der M-Klasse, die 1998 produziert werden, bei weitem nicht ausreichen, um die Nachfrage zu bedienen.Die neue Rekordmarke von insgesamt 715 000 verkauften Autos im vergangenen Jahr veranlaßte Daimer-Benz-Vorstand Jürgen Hubbert, in Detroit laut über die Zukunft nachzudenken.Weil sich der Absatz der Marke Mercedes zur Jahrtausendwende bei etwa 1,1 Mill.Personenwagen einpendeln soll, werden neue Fahrzeugprojekte künftig nur gemeinsam mit Partnern und unter separaten Markennamen in Angriff genommen, verriet Hubbert und ließ durchblicken, daß er dabei vor allem die aufstrebenden Märkte in Südamerika und Südostasien im Visier hat.Über mögliche Partner hüllte sich Hubbert jedoch in Schweigen. Vom Comeback der deutschen Hersteller auf dem wichtigen US-Markt profitierte auch BMW im vergangenen Jahr.Mit 122 467 Autos (plus 15,8 Prozent) lieferten sich die Bayern ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Marke Mercedes, die 122 265 Fahrzeuge absetzen konnte.Insgesamt sind die Chancen für die deutschen Hersteller auf dem US-Markt hervorragend.Für die meisten bleibt allerdings das Problem der Lieferbarkeit.So erklärte ein Automanager in Detroit besorgt: "Gelingt es nicht, die Nachfrage nach Autos zu bedienen, wird dies in Nordamerika sofort bestraft." Dann könnte der Aufschwung jäh gestoppt werden.

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