Wirtschaft : Comeback des Mac

MÜNCHEN (ruk/sag/Hb).Steve Jobs, Mitgründer und "Dauer-Interims-Chef" von Apple Computer, genoß sichtlich seinen Triumph in der Flint Hall des De Anza College nahe der Apple-Firmenzentrale in Cupertino."Wenigstens heute wollen wir eine Pause machen und den Duft der Rosen geniessen", sagte Jobs."Wir haben eine Weltklasseleistung an harter Arbeit vollbracht und unsere operationale Stärke wieder zurückgewonnen."

In der Tat ist die Auferstehung des von vielen bereits totgesagten Computerpioniers bemerkenswert.In den Geschäftsjahren 1996 und 1997 hatte Apple in sieben Quartalen insgesamt 1,9 Mrd.Dollar Verlust angehäuft.Der selbsternannte Sanierungsspezialist Gilbert Amelio hätte Apple im vergangenen Jahr beinahe endgültig ruiniert.Doch dem zurückgeholten Steve Jobs gelang es, das Ruder herumzuwerfen.

Apple machte im Geschäftsjahr 1998 (30.3.) einen Gewinn von 309 Mill.Dollar, 1997 war es noch ein Verlust von einer Milliarde Dollar.Der Jahresumsatz ging wegen veränderter PC-Preise und infolge der Aufgabe einiger Produktlinien von 7,1 Mrd.Dollar auf 5,6 Mrd.Dollar zurück.Jobs war es binnen eines Jahres gelungen, aus dem "keifenden Katzenhaufen von Managern" (Jobs) wieder eine Führungsriege zu formen.Die Produktion wurde gestrafft.Und zum ersten Mal seit langer Zeit wurden wieder Termine eingehalten.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Mit einem Stückzahlenwachstum von 28 Prozent im vierten Quartal des Geschäftsjahres gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal liegt Apple um mehr als das Doppelte über dem derzeitigen Branchenwachstum von 12 bis 13 Prozent.Symbol der Auferstehung ist der Verbraucherrechner iMac, der seit Mitte August in den USA und seit Anfang September in Europa zu haben ist.Allein in den letzten sechs Wochen wurden 278 000 Exemplare zu einem Stückpreis von 1299 Dollar verkauft.

Wegen seines niedrig kalkulierten Preises ist das türkise Ei zwar nicht die Nummer eins unter Apples Kassenfüllern, aber das Zugpferd, wenn es um die Frage der Marktrückkehr von Apple geht.Mehr als 40 Prozent der iMac-Käufer sind Neukunden, berichtete in München Apples Deutschland-Chef Peter Dewald.Davon seien 29 Prozent absolute PC-Neulinge.Mit dem iMac, will Apple wieder an alte Zeit anknüpfen, als Mac-Computer gleichbeutend mit großer Systemstabilität und einfacher Nutzbarkeit waren.So sind in den iMac - wie seinerzeit bei den ersten Apple-Modellen - alle wichtigen Systemkomponenten mitsamt dem Monitor in einem Gerät integriert.Auch in punkto Kommunikationsfreudigkeit hat Apple zugelegt: Der Zugang ins Internet erfolgt über ein fest eingebautes analoges Modem.Die entsprechenden Programme für Internet und E-Mail sind vorinstalliert.

Noch ist Apple nach Meinung vieler Beoachter nicht über den Berg.Aber der im Verkauf des iMac zu beobachtende Trend gibt Hoffnung, daß es Apple gelingen könnte, mit preiswerten und leistungsstarken Produkten sich seinen Platz unter den ersten Fünf der Anbieter von Desktop-Computern wieder zurückzuerobern.In Deutschland will Apple den gesamten Marktanteil seiner Rechner von derzeit 2,5 Prozent in den nächsten zwei Jahren verdoppeln.

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