Wirtschaft : Commerzbank: Cobra will Anteile abgeben

Die Investorengruppe Cobra will in absehbarer Zukunft rund zehn Prozent der Commerzbank-Anteile an ausländische Investoren verkaufen. Der Großaktionär von Deutschlands viertgrößter Bank teilte am Montag mit, zu diesem Zweck seien zeitlich befristete Optionen über zweimal 4,99 Prozent der Commerzbank-Aktien abgeschlossen worden. Über die Käufer machte Cobra keine genaueren Angaben. Die Commerzbank kommentierte die Ankündigung nicht. Nach Einschätzung von Analysten könnten sich die Übernahmespekulationen um die Commerzbank durch den Anteilsverkauf wieder verstärken. Die Aktie der Commerzbank stieg in einem stagnierenden Gesamtmarkt in der Spitze um vier Prozent auf über 33 Euro.

Cobra, mit rund 16 Prozent größter Anteilseigner der Commerzbank, hatte sich wiederholt für eine Verbindung des Geldhauses mit einer ausländischen Bank ausgesprochen. Cobra teilte weiter mit, da durch den geplanten Verkauf der Anteile die Beteiligung an der Bank unter zehn Prozent sinke, würden Stimmrechtsverfügungen des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen gegen die Investorengruppe der Boden entzogen. Mit der Reduzierung des Anteils habe Cobra eine wichtige Etappe auf dem Weg der Platzierung der von ihr betreuten Aktien erreicht. Die Commerzbank erklärte, sie sei über Details der Verkaufspläne nicht informiert worden. Es handele sich um Interna der Investorengruppe, sagte ein Sprecher.

Analysten meinten, ob die Commerzbank nun zu einem Übernahmeziel werde, hänge davon ab, wer die Käufer der Anteile seien. Sofern die Aktien an Fonds verkauft würden, die den Preis der Commerzbank-Papiere derzeit als niedrig ansehen würden, seien Übernahmespekulationen hinfällig. Wenn es sich bei den Käufern allerdings um Banken mit dem strategischen Interesse handele, in Deutschland Fuß zu fassen, müsse die Commerzbank wieder als Übernahmeziel angesehen werden. Über eine Übernahme der Bank war in der Vergangenheit wiederholt spekuliert worden. Die Commerzbank ist nach Einschätzung von Analysten zu klein, um in dem sich schnell konsolidierenden europäischen Bankensektor selbstständig bleiben zu können. Allerdings wird kaum einer ausländischen Bank derzeit ein Interesse an einer Übernahme nachgesagt. "Ich bin skeptisch, ob die Commerzbank zu einem Übernahme-Ziel wird", sagte Alexander Plenk, Analyst von der Bankgesellschaft Berlin. "Warum sollte sie für einen Käufer interessant sein? Sie hat wie alle anderen deutschen Banken Probleme mit ihrem kostenintensiven Filialgeschäft und ihr Investmentbankbereich ist auch nicht besonders groß." Außerdem sei der Gewinn pro Aktie zu gering, um das Haus für einen ausländischen Käufer interessant zu machen, sagte Plenk weiter. Er stufe die Aktie weiterhin auf "reduzieren" ein.

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