Wirtschaft : Commerzbank: Cobra will den Vorstand nicht entlasten

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Martin Kohlhaussen hätte sich zum Abschluss mit Sicherheit eine ruhige Hauptversammlung gewünscht. Aber dazu wird es am Freitag in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst vermutlich nicht kommen. Möglicherweise zieht sich das Treffen sogar bis Samstag hin, die Halle ist jedenfalls samt Personal für zwei Millionen Mark auch für diesen Tag gebucht. Die Aktionärsvereinigung Cobra hält den Vorstandssprecher der Commerzbank, der Ende der Woche nach zehn Jahren sein Amt niederlegt und vermutlich an die Spitze des Aufsichtsrates wechselt, schon seit eineinhalb Jahren auf Trab.

Jetzt fordern die angeblich rund 40 Aktionäre, die hinter Cobra stehen, eine Sonderprüfung und die Nichtentlastung von Vorstand und Aufsichtsrat. Sie fragen sogar nach möglichen Schadensersatz-Ansprüchen gegen Kohlhaussen und Co. Grund: Die Herren hätten so agiert, dass die Commerzbank-Aktie in den Keller rutschen musste. Die Vorwürfe sind heftig, aber auch nicht ganz falsch. Pfarrerssohn Kohlhaussen hat es jedenfalls nicht geschafft, der Commerzbank eine langfristige Perspektive zu geben. Er konnte nicht verhindern, dass das gelbe Geldhaus als zu schwach gilt, um im europäischen Bankenwettbewerb mithalten zu können und dehalb als Übernahmekandidat gesehen wird.

Die ehemals drittgrößte deutsche Geschäftsbank ist trotz ihrer vor vier Jahren fertig gestellten 54 Stockwerke hohen Zentrale am Frankfurter Kaiserplatz abgerutscht: Während Bayerische Hypo und Bayerische Vereinsbank unter ein Dach geschlüpft sind, die Allianz die Dresdner Bank übernimmt und die Deutsche Bank ohnehin einsam ihre Kreise zieht, sucht die Commerzbank immer noch einen Partner. Die Beteiligungen der italienischen Generali, die im vergangenen Jahr von fünf auf zehn Prozent aufgestockt wurden, oder der spanischen Banco Santander Central Hispano mit 4,8 Prozent sind nur kleine Klammern. Rund 75 Prozent der Aktien sind weiterhin breit gestreut.

Bis Frühjahr vergangenen Jahres zeigte sich Kohlhaussen als unnachgiebiger Fusionsgegner. Dann scheiterten die Verhandlungen zwischen Deutscher und Dresdner Bank und zugleich trat Cobra auf den Plan. Bis zu 17 Prozent der Stimmrechte sammelte die Gruppe um die beiden Spekulanten Claus-Peter Schneidewind und Clemens Vedder sowie Ex-Dresdner Bank-Vorstandsmitglied Hansgeorg Hoffmann ein. Derzeit hält sie knapp zehn Prozent. Auf einmal bot Kohlhaussen der Dresdner Bank Fusionsgespräche an. Nach zwei Monaten war alles vorbei, im Juli wurde das Scheitern der Verhandlungen erklärt. Jetzt setzt die Commerzbank auf eine enge Allfinanzkooperation mit der Aachener und Münchener Versicherungsgruppe (AMB). Zugleich will die Bank unter dem Stichwort "Commerzbank 21" ihre Strukturen auf höhere Gewinne trimmen. Im laufenden Jahr soll beides zusammen einen zusätzlichen Ertrag von 140 Millionen Euro bringen. Bis 2005 soll diese Summe auf rund 1,6 Milliarden Euro steigen.

Immerhin. Aber in den Augen von Analysten immer noch zu wenig um ganz oben mitzuspielen. Die Commerzbank gilt weiter als zu klein, um wirklich große Geschäfte machen zu können. Dass dazu auch noch Cobra der Bank anhaltend in die Suppe spuckt, ärgert Kohlhaussen, der vor zehn Jahren den fast schon legendären Walter Seipp beerbt hat und seit 20 Jahren im Vorstand sitzt. Ein strategisches Interesse hat Cobra dabei nicht. Die Gruppe will nur eines: Geld. Doch ihre ursprünglichen Kursziele von 52 oder auch 40 Euro für das Commerzbank-Papier sind derzeit illusorisch - die Aktie dümpelt bei etwa 32 Euro vor sich hin. Und einen Investor hat Cobra bislang auch nicht präsentiert.

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