Wirtschaft : Commerzbank: Das Geldhaus erhält neuen Chef

Rolf Obertreis

Für seinen Namen kann der Mann nichts. Müller heißen hierzulande nun halt einmal viele Menschen. Aber dass es ein Commerzbank-Vorstandsmitglied namens Müller gibt und dass dieser Herr am Montag, wenn nicht noch Sensationelles passieren sollte, vom Aufsichtsrat zum künftigen Vorstandssprecher des gelben Geldhauses bestimmt wird, ist allenfalls in Finanzkreisen bekannt. Zu sehr hat in den letzten zehn Jahren der im Mai mit der Hauptversammlung ausscheidende Chef Martin Kohlhaussen das Geschehen bei der Commerzbank bestimmt. Klaus-Peter Müller war und ist trotzdem ein wichtiger Mann in der Top-Etage der mittlerweile nur noch viertgrößten deutschen privaten Geschäftsbank. Der 56-jährige gilt als engster Vertrauter von Kohlhaussen und war intern schon länger erster Kandidat für den Chefposten.

In den letzten Monaten war Müller besonders gefordert: Im Vorstand verantwortlich für Amerika und internationale Banken, musste er sich vor allem um das Netz der von Kohlhaussen aufgebauten "Wahlverwandtschaften" in Spanien, Italien, Frankreich und Österreich kümmern. Die Bank will engere Verbindungen und die gegenseitigen Beteiligungen erhöhen, um sich gegen eine mögliche Übernahme zu wappnen. Kohlhaussens und Müllers Anstrengungen waren nur zum Teil erfolgreich, denn mit der spanischen BSCH konnten sie sich nicht auf eine höhere Beteiligung verständigen.

Müller wird die Bank, sollte sich bis zu seiner Amtsübernahme im Mai nicht nochEntscheidendes tun, ohnehin in einer schwierigen Lage übernehmen. Noch immer sitzt der Commerzbank die Beteiligungsgesellschaft Cobra im Nacken, die seit dem Frühjahr 18 Prozent der Stimmrechte kontrolliert. Allerdings sind ihre Versuche, einen ausländischen Käufer für das Aktienpaket zu finden, bislang erfolglos. Nach der gescheiterten Fusion mit der Dresdner Bank sucht die Commerzbank noch ihren Weg. Die rund 35 000 Mitarbeiter wollen wissen, wo es lang geht. In Frankfurt gilt die Commerzbank trotz imposanter Zentrale als zu klein, um alleine groß zu werden, und als zu groß, um übernommen zu werden.

Müller übernimmt also einen heiklen Job und wird sich dabei dem Blick seines Förderers Kohlhaussen nicht entziehen können. Denn der rückt sehr wahrscheinlich an die Spitze des Aufsichtsrats. Einen großen Vorteil hat der in der Eifel geborene Banker: Er kennt das gelbe Kredithaus wie seine Westentasche. Nach seiner Lehre beim Bankhaus Friedrich Simon in Düsseldorf kam Müller 1966 zur Commerzbank, zunächst in die Filiale Düsseldorf. New York, Düsseldorf und wieder New York waren die Stationen in den Jahren nach 1969, bevor Müller 1986 zum Generalbevollmächtigten und 1990 in der Zentrale zum Leiter der Abteilung für Firmenkunden aufstieg. Dabei befasste er sich auch mit dem Aufbau der Commerzbank in Ostdeutschland. Im November 1990 holte ihn Vorstandssprecher Kohlhaussen schließlich in den Vorstand. Müller, Oberstleutnant der Reserve, macht als einer der wenigen Frankfurter Großbanker keinen Hehl aus seiner politischen Überzeugung. Er bekennt sich zur CDU und hat im Landtagswahlkampf Anfang 1999 offen in Anzeigen mit Foto für den heutigen Ministerpräsidenten Roland Koch geworben. Allerdings nicht als Vorstandsmitglied der Commerzbank. Sondern schlicht als "Bankangestellter".

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