Wirtschaft : Commerzbank: Das Geldhaus wird schlanker

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Commerzbank-Sprecher Martin Kohlhaussen und sein designierter Nachfolger Klaus-Peter Müller sehen das eigene Haus alles andere als in einer schwierigen Lage. Man habe eine überzeugende Strategie und habe nach dem Ende der Gespräche mit der Dresdner Bank neue Akzente gesetzt, sagte Kohlhaussen auf der Herbstpressekonferenz. Die engere Verbindung mit der italienischen Generali und das daran geknüpfte in Europa einmalige Kooperationsabkommen seien ein Quantensprung.

Trotz der angeblich guten Position baut die Commerzbank ihre Organisation um und arbeitet künftig mit nur noch zwei statt drei operativen Geschäftsfeldern. Auch das Filialnetz wird gestrafft: Bis Herbst 2002 sollen bis zu 200 der derzeit 940 Filialen geschlossen werden.

Zumindest die Ergebnisse in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres deuten aber darauf hin, dass die Commerzbank nicht schlecht unterwegs ist. Kohlhaussen spricht von einem Zahlenwerk der Extraklasse. Der Provisionsüberschuss verbesserte sich um 37 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Im Eigenhandel mit Wertpapieren, Devisen und Edelmetallen kletterte der Ertrag um 22 Prozent auf 751 Millionen Euro, auch wenn sich der Zuwachs durch die Börsenentwicklung in den letzten Monaten abgeschwächt hat. Weil die Bank mittlerweile mit knapp 36 400 rund 1800 Mitarbeiter mehr beschäftigt als von Jahresfrist kletterten allerdings auch die Verwaltungsaufwendungen um 21 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Rund eine Milliarde Euro hat die Commerzbank aus dem Börsengang der Comdirect eingenommen. Unter dem Strich bleibt ein Vorsteuer-Ergebnis von 2,42 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 139 Prozent und mehr als im gesamten Geschäftsjahr 1999. Ohne die Comdirect liegt der Zuwachs bei rund 36 Prozent.

Angesichts dieser Zahlen ist wenig verwunderlich, dass Kohlhaussen Kritik an der eigenen Strategie strikt zurückweist. "Der eigene Weg war offenbar sehr erfolgreich. In den letzten zehn Jahren haben wir jedes Jahr zweistellig zugelegt." Durch die engere Verbindung mit der italienischen Generali, die ihren Anteil an der Commerzbank im Frühsommer auf knapp zehn Prozent erhöht, erhofft sich Kohlhaussen einen nachhaltigen Schub. Die Aachener und Münchener-Versicherungsgruppe, eine Tochter der Generali, und die Commerzbank werden gegenseitig ihre Kundengruppen öffnen. Allein dies soll der Commerzbank bis 2005 Provisionserträge von jährlich etwa 140 Millionen Euro bescheren. Derzeit sind es 35 Millionen Euro. Ausbauen wollen Kohlhaussen und sein Nachfolger Müller das Geschäft in den USA. Dort stehe man derzeit in Übernahme-Gesprächen mit einem Vermögensverwalter.

Gestärkt werden soll die viertgrößte der vier privaten deutschen Großbanken auch durch Bündelung der operativen Tätigkeiten in nur noch zwei Einheiten: Private Kunden und Asset Management auf der einen und Firmenkunden und Investment-Banking auf der anderen Seite. Allerdings räumt Kohlhaussen auch ein, dass die Bank nicht in allen Bereichen die erforderliche "kritische Masse" besitze. Weil Internet und Call-Center neue Möglichkeiten eröffnen, werden deshalb in den nächsten anderthalb Jahren bis zu 200 Filialen geschlossen, der größte Teil davon in Großstädten und in Ballungsgebieten. Auch das Auslandsnetz insbesondere in Asien und in Afrika soll gestrafft werden. Die von Schließungen betroffenen Mitarbeiter sollen möglichst in anderen Positionen weiterbeschäftigt werden. Von Randaktivitäten wie etwa dem Immobilien- und Leasing-Geschäft will sich die Commerzbank trennen, bevorzugt über die Börse, wie Kohlhaussen betont.

Von der Beteiligungsgesellschaft Cobra, die sich im Frühjahr von diversen Aktionären 18 Prozent der Stimmrechte hatte übertragen lassen und mit dem Verkauf an einen ausländischen Konzern gedroht hatte, fürchtet Kohlhaussen keine weiteren Attacken.

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