Commerzbank : "Die Motivation ist im Keller"

Mitarbeiter protestieren gegen die Bankenfusion von Commerzbank und Dresdner Bank.

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Nur ein Häuflein von 20 Leuten gibt sich als Mitarbeiter zu erkennen. „Auch Dresdner Banker wollen sichere Arbeitsplätze“ steht auf ihren weißen T-Shirts. Sie haben sich am Freitagmorgen am Frankfurter Goetheplatz unter die rund 1000 Banker gemischt, die mit Warnstreiks und einer Kundgebung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi anlässlich des vierten Treffens der laufenden Tarifrunde Druck auf die Arbeitgeber machen wollen. „Commerzbank – Gewinn Hui, Bezahlung Pfui“ steht auf Plakaten.

Das allerdings interessiert Bernhard Bender wenig. Seit 36 Jahren arbeitet er für die Dresdner Bank, kümmert sich um mittelständische Firmenkunden. „Mit Herz mache ich das. Ich bin bewusst zur Dresdner Bank gegangen. Das war immer stimmig“, sagt der hochgewachsene Mann. „Aber seit der geplatzten Fusion mit der Deutschen Bank vor acht Jahren stimmt nichts mehr.“ Was jetzt wird, weiß Bender nicht. Es gibt keine genauen Informationen, wo die 9000 Arbeitsplätze abgebaut werden, die der Übernahme durch die Commerzbank zum Opfer fallen. „Es herrscht eine gefühlte Bedrohung. Die Mitarbeiter haben Angst. Deshalb sind so wenige hier.“

Die, die da sind, sind sauer – sauer vor allem auf den Vorstand, der in sieben Jahren 17 000 Arbeitsplätze abgebaut und, wie Bender sagt, nur auf den Profit und die Quartalszahlen geschaut hat. Vor allem Vorstandschef Herbert Walter habe nie ein Gespür für die Dresdner Bank entwickelt. Er sei immer ein distanzierter Deutschbanker geblieben. Dort hat Walter das Bankgeschäft gelernt. Fehler, sagt Bender, sind aber schon vorher gemacht worden, etwa durch den „Größenwahn“ im Investmentbanking. Was wird jetzt? Bender zuckt mit den Schultern und hat kein Ohr für die Worte der anderen, die mehr Geld fordern.

Auch Hans-Georg Binder, Betriebsratschef der Dresdner-Bank-Zentrale, wirkt ratlos. „Vor Mitte 2009 werden die Mitarbeiter kaum Klarheit haben“, vermutet er. „Aber die Motivation ist ohnehin schon seit einiger Zeit im Keller.“ Vorstandschef Walter hält er nicht nur den Stellenabbau und fehlgeschlagene Sanierungsprogramme vor, sondern auch die Fehler im Investmentbanking. Dort hätten zwei Dutzend Händler mit ihrer „Zockerei“ rund 2500 Arbeitsplätze in höchste Gefahr gebracht. Für diese Stellen sieht Binder nach der Fusion rabenschwarz. Trotzdem ist der Betriebsratschef irgendwie auch froh, dass mit der Übernahme durch die Commerzbank auch eine Zäsur kommt – nach dem Motto „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“.

Der Vorstand der Dresdner Bank sei bei den meisten Beschäftigten ohnehin unten durch, sagen andere, die nicht namentlich zitiert werden wollen. Dafür, dass Herbert Walter in den Vorstand der neuen Commerzbank einzieht, haben sie kein Verständnis. „Warum ausgerechnet der?“ fragt ein Banker. Einzig das bei der Dresdner Bank für IT zuständige Vorstandsmitglied Friedrich Wöbking habe sich am Montag mit einem persönlichen Brief an die Mitarbeiter in seinem Bereich gewandt und sich bedankt. „Das war in Ordnung.“ Ansonsten versuchen die gescheiterten Topmanager schnell woanders unterzukommen. Andree Moschner, für das Privatkundengeschäft zuständig, wechselt Anfang 2009 zur Allianz und soll dort das Bankgeschäft verantworten. Stefan Jentzsch, Chef der Investmentsparte DresdnerKleinwort, steht angeblich auch vor dem Absprung. So oder so: Auf der Demo weint kein einziger Dresdner Banker den Chefs auch nur eine Träne nach. Rolf Obertreis

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben