Wirtschaft : Commerzbank gibt hohen Rabatt

Institut bringt Kapitalerhöhung auf den Weg Neue Aktien 45 Prozent günstiger

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Berlin - Die Zahl der neuen Commerzbank-Aktien, die auf den Markt kommen, ist groß und der Preisnachlass ist kräftig. Dennoch haben die Investoren die Kapitalerhöhung der Commerzbank wohlwollend aufgenommen. Nachdem die Aktie am Montagmorgen zunächst um fast fünf Prozent abstürzte, erholte sich das Papier im Handelsverlauf wieder etwas. Am Nachmittag notierte die Aktie bei 3,80 Euro noch gut 3,9 Prozent im Minus. Analysten verwiesen darauf, dass nun die Unklarheiten rund um die geplante Kapitalerhöhung beseitigt seien.

Am Sonntagabend hatte die Commerzbank den Startschuss für die insgesamt 5,3 Milliarden Euro schwere Aktienemission gegeben. Die Bank wirft gut 2,4 Milliarden neue Aktien zu einem Preis von 2,18 Euro auf den Markt. Die Zahl der Aktien verdoppelt sich dadurch noch einmal. Um Käufer zu finden, liegt der Preis für die neuen Aktien rund 45 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag.

Die Kapitalerhöhung ist der zweite Schritt des Plans, einen Großteil der Staatshilfen zurückzuzahlen, die die Commerzbank 2009 erhalten hatte, nachdem sie in der Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten war. Bereits im April hatte die Bank über eine Pflichtwandelanleihe 5,7 Milliarden Euro eingesammelt. Nun kommen 5,3 Milliarden Euro hinzu. Weitere 3,3 Milliarden Euro will die Commerzbank aus eigener Kasse hinzutun, um dann bis Juni 14,3 Milliarden Euro der insgesamt 16,2 Milliarden Euro umfassenden Stillen Einlagen des staatlichen Rettungsfonds Soffin zurückzuzahlen.

Die beiden größten Aktionäre, der Soffin und der Versicherungskonzern Allianz, haben bereits zugesagt, sich an der Kapitalerhöhung zu beteiligen. Der Soffin wandelt den entsprechenden Teil seiner Stillen Einlagen in Aktien um und hält dann weiterhin 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank. Die dann noch verbleibenden 1,9 Milliarden Euro an Stillen Einlagen muss die Bank bis spätestens 2014 zurückzahlen.

Wie der Soffin und die Allianz erhalten auch alle anderen Commerzbank-Aktionäre Bezugsrechte für die neuen Aktien. Die Bezugsfrist läuft vom heutigen Dienstag bis voraussichtlich zum 6. Juni. Die Bezugsrechte für die neuen Aktien werden bis 1. Juni im regulierten Markt an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt. „Für das Bezugsrecht haben wir einen fairen Wert von 80 bis 85 Cent errechnet“, sagt Michael Rohr, Analyst von Silvia Quandt Research.

Jeder Commerzbank-Aktionär bekommt dazu in diesen Tagen von seiner Depot-führenden Bank ein Schreiben, in dem er über seine Bezugsrechte informiert wird. Die neuen Aktien werden den Aktionären im Verhältnis elf zu zehn zum Bezug angeboten, das heißt elf ausstehende Aktien berechtigen zum Bezug von zehn neuen Aktien. Wer sich an der Kapitalerhöhung beteiligen will, muss also pro Aktie 2,18 Euro zahlen und die entsprechenden Bezugsrechte ausüben. Wer sich an der Kapitalerhöhung nicht beteiligen will, muss nichts tun. Dann veräußert die Bank die nicht genutzten Bezugsrechte am Ende der Laufzeit zum bestmöglichen Preis und schreibt den Erlös dem Depot gut. Aktionäre können aber auch einen Verkaufsauftrag für die Bezugsrechte erteilen – auch mit einem Limit – und so hoffen, vielleicht einen besseren Preis zu erzielen als am Schluss.

Analyst Rohr hält die Aktie bei einem Preis von rund drei Euro (2,18 Euro plus Bezugsrecht) für attraktiv. Das Marktumfeld habe sich verbessert. Ein Risiko bleibe die Griechenland-Krise, eine Abschreibung von 20 oder 30 Prozent der drei Milliarden Euro, mit denen die Commerzbank dort engagiert sei, werde die Bank aber nicht mehr in Bedrängnis bringen. „Die Commerzbank ist auf gutem Weg“, sagt Rohr. Corinna Visser

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