Wirtschaft : Commerzbank greift zu

FRANKFURT (MAIN) (ro). Die Commerzbank hat auf ihrem Weg zu einer europäischen Universalbank nach Einschätzung von Vorstandssprecher Martin Kohlhaussen einen wichtigen Schritt vollziehen können: Die Nummer vier des privaten Bankgewerbes in Deutschland wird für etwa 350 Mill. Euro mit vier Prozent bei der französischen Großbank Crédit Lyonnais einsteigen und damit direkten Zugang zum zweitgrößten Bankenmarkt der EU erhalten. Ein entsprechendes Angebot der französischen Regierung hat die Commerzbank jetzt angenommen.

Beide Banken wollen nach Angaben von Kohlhaussen in Zukunft eng zusammenarbeiten. Im Privatkundengeschäft könnten sich die Institute etwa beim Aufbau des Dirketbankgeschäfts in Frankreich "ideal" ergänzen. Großes Potential sieht Kohlhaussen auch bei Kapitalmarktgeschäften und bei der Betreuung mittelständischer Unternehmen. Gegenseitig wollen beide Banken in Zukunft ihre Stützpunkte im Ausland nutzen.

Insgesamt soll die Commerzbank nach den Worten von Kohlhaussen eine wichtige internationale Bankadresse der französischen Großbank werden. Zu einem spätereren Zeitpunkt könne der Crédit Lyonnais in das System der "Wahlverwandtschaften" großer europäischer Kreditinstitute einbezogen werden. Im November vergangenen Jahres hatte die Commerzbank eine umfassende Partnerschaft und eine gegenseitige Kapitalbeteiligung mit der italienischen Versicherungsgruppe Generali vereinbart. Daneben hat sie Beteiligungen und Kooperationsabkommen mit der spanischen Großbank BSCH, der Banca Commerciale Italiana und mit der Ersten Bank in Österreich geschlossen.

Insgesamt hat der Crédit Lyonnais in Zukunft sieben Kernaktionäre, die insgesamt 33 Prozent der Anteile halten. Größter Anteilseigner ist die französische Crédit Agricole mit zehn Prozent, vor der Allianz-Tochter AGF mit sechs Prozent. 5,5 Prozent hält die französische Finanzgruppe Axa. Viertgrößter Aktionär ist die Commerzbank vor drei weiteren Banken aus Spanien, Frankreich und Italien.

Den Crédit Lyonnais sieht Commerzbank-Chef Kohlhaussen nach der schweren Krise Anfang der neunziger Jahre inzwischen wieder auf einem guten Weg. Die Bank befinde sich klar auf Erholungskurs, Ertragskraft und die Eigenkapitalposition könnten sich weiter substantiell verbessern, meinte Kohlhaussen. Der Crédit Lyonnais hält nach wie vor die Mehrheit an der BfG Bank in Frankfurt. Der von der EU-Kommission auferlegte Verkauf der ehemaligen Gewerkschaftsbank konnte bislang noch nicht realisiert werden, weil sich kein Käufer fand. Auch die Commerzbank hat nach den Worten von Sprecher Peter Pietsch kein Interesse.

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