Wirtschaft : Commerzbank hält an acht Prozent Rendite fest

Lob von der Börse und den Analysten trotz schlechterer Zahlen im zweiten Quartal

Daniel Rhee-Piening

Berlin - Der Gewinn der Commerzbank ist im zweiten Quartal 2005 zwar gesunken, die Bank sieht sich aber auf dem richtigen Weg. Der Vorstandschef der viertgrößten deutschen Privatbank, Klaus Peter Müller, hält deshalb an seinem Ziel fest, im Gesamtjahr eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von mindestens acht Prozent zu erreichen, das wären 750 Millionen Euro. In wichtigen Sparten habe man Fortschritte erzielt, sagte Müller am Mittwoch. Der Gewinn sank im zweiten Quartal um 27 Prozent auf 175 Millionen Euro.

Die Börse reagierte sehr freundlich, der Kurs der Aktien kletterte bis Handelsschluss um knapp sechs Prozent auf 19,32 Euro. Auch von Analysten kam Lob. Die Zahlen weisen eine bessere Qualität auf als erwartet“, sagte Thomas Rothäusler, Analyst beim Kölner Privatbankhaus Sal. Oppenheim. Die Prognose für das Gesamtjahr sei nach dem ersten Halbjahr realistisch. „Die Commerzbank ist auf gutem Wege ihre Ziele zu erreichen“, sagte auch Sebastian Reuter, Analyst bei der Helaba. Etwas zurückhaltender äußerte sich Konrad Becker, Analyst bei der Privatbank Merck Finck. Er bezeichnete die Prognose von Vorstandschef Müller als „mutig“ aber „nicht von vornherein als Unsinn“.

Zur Steigerung der Rendite will die Commerzbank auch Aktienrückkäufe nicht ausschließen. „Wir erwägen alle Möglichkeiten“, hieß es hierzu in Frankfurt am Main.

Als Grund für den rückläufigen Gewinn im zweiten Quartal nannte das Institut niedrigere Erlöse aus Beteiligungsverkäufen und den Einbruch im Handelsergebnis von 131 auf elf Millionen Euro. Dieser Einbruch sei durch Marktturbulenzen im Anleihegeschäft verursacht wurde, schrieb der Vorstand. Zudem habe die Bank Teile des Eigenhandels ganz aufgegeben. Überraschend positiv entwickelte sich der Zinsüberschuss, der von 806 auf 847 Millionen kletterte. Mit dazu beigetragen hätten saisonübliche Dividendenzahlungen relativierte der Vorstand. Die Risikovorsorge für faule Kredite wurde von 214 auf 177 Millionen Euro gesenkt.

Große Hoffnungen setzt die Bank auf das Mittelstandsgeschäft. Dieses Segment steigerte im zweiten Quartal seinen Vorsteuergewinn bei anziehenden Erträgen von 37 Millionen Euro im Vorjahr auf 103 Millionen Euro. Das Segment steuerte damit 35 Prozent zum gesamten Vorsteuergewinn von 291 Millionen Euro bei. In der zweiten wichtigen Säule, dem Privat- und Geschäftskundengeschäft, stagnierte der Vorsteuergewinn mit 84 (Vorjahr: 81) Millionen Euro. Gewinnrückgänge gab es in den Bereichen Vermögensverwaltung sowie in der Investmentbanksparte mit einem Vorsteuerverlust von 55 Millionen Euro.

Im ersten Halbjahr verdiente die Bank mehr als im Vorjahr. Der Konzernüberschuss kletterte um 17,3 Prozent auf 570 Millionen Euro, mehr als 200 Millionen Euro gingen auf einmalige Beteiligungsverkäufe zurück. Inklusive dieser Sondererträge stieg die Eigenkapitalrendite nach Steuern von 10,7 auf hochgerechnet 12,6 Prozent.

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