Wirtschaft : Commerzbank hält Gesprächsangebot aufrecht

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Große Verwirrung im Hause der Dresdner - Neuer Vorstandbb/kdo

Die Aussage der Commerzbank, für Gespräche mit der Dresdner Bank offen zu sein, hat in Bankkreisen heftige Reaktionen hervorgerufen. Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Kohlhaussen hatte am Mittwoch im Gespräch mit einer Nachrichtenagentur nicht ausgeschlossen, dass die Dresdner Bank gut zu seinem Haus passen würde. "Unsere beste Option wäre die Kräftebündelung auf nationaler Ebene", sagte Kohlhaussen. Europäische Partnerschaften seien nur die zweitbeste Option. Gespräche zwischen Commerzbank und Dresdner habe es aber noch nicht gegeben.

Die Börse reagierten stark auf das Signal zur Zusammenarbeit: Am Donnerstag gewannen die Commerzbank Aktien rund drei Prozent auf 41,50 Euro. Die Papiere der Dresdner gaben um 3,5 Prozent auf 45,99 nach. Am Freitag starteten beide Aktienkurse fester. Kurz nach Börsenstart gewannen sie gegen den Trend.

Vorstandschef Kohlhaussen hatte bereits Anfang März, kurz nach Bekanntgabe der Fusionspläne der Deutschen und Dredner Bank zugegeben, die Commerzbank müsse ihre bisherige Strategie überdenken, nachdem er früher immer betont hatte, die Commerzbank wolle eigenständig bleiben. Nun will er eine Zusammenarbeit prüfen.

Eine Fusion unter Gleichen wäre für die Dresdner Bank mit der Commerzbank weitaus eher möglich als mit der übermächtigen Deutschen Bank. Nach Aussagen von Analysten ist der Marktwert beider Institute etwa gleich groß, die Überschneidungen des Filialnetzes der Commerzbank mit dem der Dresdner sei mit 30 Prozent ebenso groß wie mit dem der Deutschen Bank. Zudem würden sich die beiden Banken in einzelnen Geschäftsfeldern hervorragend ergänzen. Die Commerzbank brächte ihre starke Direktbank-Tochter Comdirect in die Verbindung ein, während die Dresdner Kleinwort Benson die noch magere Investment-Sparte der Commerzbank stützen könnte. Spitzen der Dresdner Bank weisen jedoch Vermutungen über einen möglichen Zusammenschluss mit der Commerzbank zurück. Ein Mitglied des Aufsichtsrats sagte, ein Zusammengehen der beiden Häuser nach der gescheiterten Fusion zwischen Dresdner und Deutscher Bank halte er für abwegig. Die Dresdner Bank sei allein lebensfähig, wenn sie gut gemanagt werde. Falls das Institut "ein größeres Kampfgewicht" brauchen sollte, könne darüber in einigen Jahren nachgedacht werden. Zuerst müsse "der durch die Deutsche Bank verursachte Schaden" bei der Investment-Tochter Dresdner Kleinwort Benson repariert werden. Die Fusionsgespräche hatten eine Kündigungswelle der Londoner Mitarbeiter ausgelöst. Die Dresdner Bank will nun die Investmentsparte als eigenständige Einheit führen. Ein Gang an die Börse scheint allerdings nicht vorgesehen zu sein. Die unternehmerische Führung wird bei dem Vorstandsmitglied Leonhard Fischer liegen.

Für eine Fusion mit der Commerzbank, so der Aufsichtsrat der Dresdner, sei es jetzt zu spät. Der letztmögliche Zeitpunkt für eine Kooperation dieser beiden Institute wäre im vergangenen Jahr gewesen, als die Gespräche zwischen Deutscher und Dresdner Bank über eine Kooperation im Retailgeschäft abgebrochen worden waren. Nach dem Scheitern der Vollfusion mit der Deutschen Bank sei ein neuer Zusammenschluss jedoch "nach innen und außen nicht vermittelbar".

Weniger zurückweisend äußerte sich hingegen ein Sprecher der Dresdner Bank. Weil man derzeit vollauf mit der Neubesetzung des Bankvorstandes beschäftigt sei, könnten logischerweise erst danach weitere Strategien der Dresdner formuliert werden.

Das Ausscheiden von vier Vorstandsmitgliedern hatte offenbar für grosse Konfusion gesorgt. Angeblich sollen die Entscheidungen zum Rücktritt nicht im Rahmen einer ordentlichen Aufsichtsratssitzung gefallen sein, sondern in Form eines Rundrufes. Nach Dresdner-Bank-Chef Bernhard Walter verlassen nun auch Ernst-Moritz Lipp, Gerd Häusler, Andreas Bezold und zum Jahresende Heinz-Jörg Platzek den Vorstand. Dafür rücken mit Andreas Georgi und Joachim Mädler zwei "Eigengewächse" der Bank in den Vorstand auf. Der 51-jähre Mädler hatte in den vergangenen Jahren als Geschäftsführer bei der Fondsgesellschaft der Dresdner, dem Deutschen Investment-Trust gearbeitet und sich danach um den Aufbau der Vermögensverwaltung gekümmert. Im Oktober vergangenen Jahres wurde er,,Executive Officer" des neu eingerichteten "Bereichs-Vorstands". Der 42-jährige Andreas Georgi arbeitete zuvor als persönliche haftender Gesellschafter beim Bankhaus Reuschel in München und sammelte Erfahrung im Umgang mit Privatkunden.

Dafür, dass mögliche Gespräche erst langsam angegangen werden können, zeigt die Commerzbank Verständnis. Die Dresdner seien zurzeit genug mit sich selbst beschäftigt, heisst es. "Rein theoretisch sind intensive Gespräche zwischen unseren Häusern aber schnell möglich", sagte ein Commerzbank-Sprecher.

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